Liebe, liebe Freunde… Entschuldigt.

Ich war in den letzten Monaten ziemlich blockiert von den Veränderungen die sich in mir und um mich abgespielt haben. Mir fiel partout nichts ein worüber ich hätte schreiben wollen, können – obwohl ich immer noch immer wieder neue Erfahrungen mache. Einige bescheuerte Erfahrungen sind auch dabei.

Ich habe mich seit Oktober ganz stark damit befasst, in die Szene meiner Stadt einzutauchen und war zunächst berauscht davon so viele neue, gleichgesinnte Frauen kennenzulernen. Zugleich habe ich aber auch festgestellt, wie seltsam dieses… Szene-Dasein ist und frage mich mittlerweile – will ich da überhaupt zugehören?

Neben der unleugbar schönen Erfahrung Gleichgesinnte zu finden muss man auch sehen – Szenemädels sind schwierig. Lacht man sich eine an, zieht diese eine ganze Kette anderer hinter sich her. Alle kennen sich über irgendwen; alle tragen Ihre Päckchen mit sich herum und alle meinen so viel über die Andere zu wissen. Es ist – interessant. Aber.  Schwierig!

Fasziniert stelle ich also fest, wie eng alles miteinander verwoben ist und dass das, was mich einerseits aufbaut,  mich andererseits auch wieder abschreckt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich anscheinend an eine Clique Mädchen geraten bin, die besonders schwierig ist? Nein. Ich glaube mittlerweile …alle Cliquen sind so. Und die Frauen, die ich kenne, die nicht in der Szene unterwegs sind, klagen vielleicht darüber, keine anderen Lesben kennenzulernen – aber ich muss ihnen sagen, dass Ihnen einiges an Ärger erspart bleibt.

Allen, die vorhaben, mehr in die Szene einzutauchen, möchte ich sagen: Nur zu. Ich denke immer noch, dass es der richtige Weg für mich war und ist. Denn durch den vermehrten Umgang mit Gleichgesinnten stellt sich auch im eigenen Gefühl ein höheres Maß an Normalität ein. Ich bin viel, viel lockerer geworden, was das Sich-zu-sich-bekennen angeht! Ich!
Aber – die Szene verspricht kein Heil. Und wenn man jemanden Besonderes abseits dieser Kreise findet, ist das vielleicht die glücklichere, weniger belastete Variante…

In jedem Fall – werde ich mich bemühen wieder öfter zu posten. :) <3

Entschuldigt diese Unregelmäßigkeit der Posts. Ich habe mich selbst gefragt, ob ich so wenig zu erzählen habe, dass ich absolut nichts schreiben könnte… Die Antwort ist Nein, eigentlich habe ich genug zu erzählen – doch es fehlt mir momentan an den richtigen Worten.

Zum Abschluss des Jahres fühle ich, dass es ein krasses Jahr war. In meinem lesbischen Leben wurden viele Schritte gemacht – und nicht jeder ging nach vorne – und von all den Eindrücken wurde ich ganz wirr. Was dazu führte, dass mir nun die Worte fehlen. Ich meine damit, dass sich einiges geändert hat und ich einige vorgefertigte Meinungen verloren habe und nun einen neuen Standpunkt einnehme.
Nein, ich bin nicht bi oder hetero geworden.
Aber ich habe den Eindruck, das Babydyke-Dasein legt sich langsam ab und etwas neues entsteht.

Ich bin sehr gespannt auf das kommende Jahr und darauf… wie es weiter geht. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch!!!

Bei meinen Ausflügen in die lesbische Szene, auf der Suche nach Gleichgesinnten und neuem Anschluss, habe ich jetzt so manches gesehen, so manche gesprochen und so einiges gedacht. Stand ich anfangs noch fasziniert daneben und staunte über die „vielen“ anderen Lesben in meiner direkten Umgebung, so sehe ich das Schaulaufen (denn nichts anderes ist es) mittlerweile etwas nüchterner.

Die grundlegende Erkenntnis ist keine neue – die Szene ist klein! Und das sage ich, die in nächster Umgebung mindestens 4 große Städte hat, die viele Angebote für Homosexuelle haben und regelmäßig mehr oder minder große Partys bieten. Ist man aber erst einmal tiefer in diese Sphären vorgedrungen und hat sich wirklich umgesehen – so stellt man fest, dass hier eigentlich jeder jeden kennt. „Die, die dort unterwegs sind und da ihre Frauen abschleppen, betreiben doch alle irgendwie Inzest“, sagte kürzlich eine zu mir, die ihre wilden Jahre bereits hinter sich gebracht hat und die Partyszene heute meidet.

So extrem das auch klingen mag – irgendwie hat sie recht!
Neulich war ich mit einem Mädchen unterwegs, das wirklich gut in der lesbischen Partyszene verankert ist; sie ist selbst Teil der organisierenden Gruppe hinter diesen Veranstaltungen und dementsprechend bekannt. Mit ihr auf so eine Party gehen, läuft dann so ab: „Das ist übrigens meine Ex, ach, und das da vorne ist ihre Ex – und das dort ist die Ex von der Ex von der Ex der….“ So ungefähr. Wenn man dann wie sie gerade eine Trennung hinter sich hat und auf all diese Exs stößt – dann werden diese Partys ein ziemlicher Höllentrip; so meine Beobachtungen. Besagte Dame möchte nun auch erst mal nicht mehr zu diesen Partys gehen.

Aber – wenn nicht dort, wo lernt man dann andere Lesben kennen? Im Internet etwa?
Find ich ganz schrecklich. Da kommt SELTENST was Gutes bei rum. Neben den vielen, die nur ein Abenteuer suchen, findet man dort auch einfach viel Unpassendes. Im Netz tendiert man dazu Ewigkeiten mit Frauen zu schreiben, bei denen nach einer einzigen Begegnung im realen Leben schnell klar gewesen wäre, dass sie nie als Partnerin in Frage kämen. Zwar ist das Internet der vielleicht schnellste Weg um Frauen kennenzulernen – aber man muss damit rechnen, dass man in der Regel erst 15 Blöde und erst dann eine halbwegs Nette kennenlernt. Mühsames, frustrierendes Unterfangen.

Die, die mir das mit dem Inzest erzählt hat, meinte, sie habe nie ein Problem gehabt, Frauen kennenzulernen. Sie hätte einfach den „Radar“. „Wenn man sich so anschaut, miteinander redet, da springt einfach etwas über.“ So hätte sie auch schon sich als heterosexuell definierende Frauen schwach gemacht; alles gar kein Problem.
Das klingt ja echt cool. Ich habe damit allerdings noch gar keine Erfahrungen gemacht. Ich weiß nicht, ob dieser Radar eine seltene Gabe ist; oder ob es einfach daran liegt, dass man ihr ihre Orientierung wesentlich leichter ansehen kann, als mir zum Beispiel, und deswegen andere Frauen ohne viel Zutun auf sie anspringen.

Im Endeffekt ist das Erkennen und Kennenlernen… eine einzige große Glückssache, fürchte ich. Egal ob jetzt über so eine Party, über das Internet, oder einfach so. Da müssen viele Faktoren zusammenkommen; keine Variante ist leicht; jede hat ihre Tücken.
Aber vielleicht ist etwas dran, an der Radar Sache.
Vielleicht muss man einfach seine Antennen ein wenig feinfühliger machen; und seiner Intuition vertrauen.

 

Vor einigen Monaten lernte ich ein 17 jähriges Mädchen kennen, das meinte erkannt zu haben, dass es lesbisch ist. Sie hatte über eine Freundin von mir erfahren und stürzte sich direkt auf mich – denn, wer kennt es nicht, sie hatte sonst nur heterosexuelle Freunde.

Das Mädchen war ziemlich offen und wir kamen gut miteinander aus. Dabei fasste sie direkt Vertrauen zu mir ; und schon bald eröffnete sie mir ihre ganze Lebensgeschichte, die sich ungefähr so zusammen fassen lässt: vom Vater vernachlässigt, vom Stiefvater missbraucht, diverse Freunde gehabt aber nichts gefühlt, jetzt bekennend lesbisch und auf der Suche nach einer Freundin. Vor ihrer Familie hatte sie sich schon geoutet, ihre Mutter fand es Ok, doch ihr Bruder fand es schlimm. Ihrem Opa konnte sie es nicht sagen, weil sie immer sein kleines Mädchen war; er würde es nicht verstehen. Aber sie sei sich jetzt ganz sicher, Frauen wären einfach viel schöner.

Nettes Mädchen… aber voller Probleme. Und ich hatte absolut keine Lust mehr auf Probleme. Unweigerlich rutschte ich in eine Art Therapeuten-Rolle und spulte aufbauende Worte ab; distanzierte mich aber innerlich. Folglich kam nichts Näheres zu Stande. Bald hörte ich gar nichts mehr von ihr und war, ehrlicherweise, nicht traurig drum…

Gestern dann habe ich erfahren, dass das besagte Mädchen nun einen Freund hat.

Einerseits muss ich darüber den Kopf schütteln… andererseits klopf ich mir innerlich auf die Schulter; Gut, dass ich da weggeblieben bin.
Allerdings hinterlässt die Geschichte ein leicht besorgtes Gefühl in mir. Ich frage mich – ist das jetzt so richtig gelaufen? Man weiß es nicht. Ich kann nicht sagen, in wie fern sie sich ihre lesbische Neigung eingebildet hat. Vielleicht ist sie bi?Vielleicht ist sie hetero? Vielleicht aber ist sie einfach nur schwach und sucht nach Bestätigung. Denn dies ist ein typisches Syndrom einiger Mädchen einer bestimmen Altersklasse…

So hat eine Freundin von mir, die wirklich die Nettigkeit und Vernunft in Person ist, vor ihrem jetzigen Freund mit zig Typen geschlafen – was ihr heute sehr unangenehm ist. Ein anderes Mädchen, damals 17, erzählte mir cool und mit leichtem Stolz in den Augen, dass sie mit über zehn Typen Sex hatte. Ich weiß nicht – ich finde, mit 17 ist man irgendwie noch ganz schön jung, um mit zehn Männern Sex gehabt zu haben…?
Eine andere, die sich seit ihrem 16. Lebensjahr als lesbisch bezeichnet, erzählte mir, dass sie ungefähr 5 – 8 Jungs einen geblasen hat, sie kann sich nicht so genau erinnern. Ich kam nicht umhin zu fragen… WIESO NUR? Sie konnte es nicht erklären.

Meine Theorie: Schwäche und Suche nach Bestätigung.
Ich habe auch zu Zeiten, in denen mir längst irgendwo klar war, dass es mir nie gefallen würde, mit Jungs angebändelt und Dinge gemacht, die ich hätte bleiben lassen sollen. Aber ich muss auch sagen, dass ich es bei weitem nicht mit vielen tat – schließlich gefiel es mir ja nicht! Dennoch; erst mit 18 fühlte ich mich so lächerlich und erbärmlich dabei, dass ich es für immer aufgab. Es ist mir überhaupt nicht schwer gefallen… denn ich bin lesbisch. Aber diese Erfahrung muss wohl jede für sich selbst machen…

Ich hoffe für das Mädchen, dass es hier nicht auch um Schwäche geht… sondern um Liebe.

In der heißen Phase meines inneren Coming Outs, kurz vor dem endgültigen Moment des Durchbruchs (an den ich mich tatsächlich erinnern kann – ich saß in meinem Zimmer, sah aus dem Fenster und stellte nach Jahren des Grübelns und Verzweifelns einfach fest: „Wow, es ist so eindeutig. Ich bin lesbisch.“)  … in jener Phase kurz vor dieser Erleuchtung war von großem Wert für mich, mich an meine Kindheit zu erinnern. Denn verblüfft stellte ich dabei fest, dass ich meine grundlegenden lesbischen Tendenzen schon damals in mir trug; und dass es lächerlich wurde, dies weiter zu leugnen.

Bis heute weiß ja niemand so genau, wo Homosexualität herkommt. Keiner kann sagen, ob sich die sexuelle Orientierung schon vor der Geburt festlegt, oder in früher Kindheit, oder während der Pubertät. Oder in wie fern sich das überhaupt richtig festlegt?
Einerseits interessiert mich das; ich meine, wir Menschen wollen ja schon seit Anbeginn der Zeit rausfinden woher und wieso alles ist, wie es ist. Und als homosexueller Mensch ist es eine naheliegende Frage, wieso ausgerechnet man selbst so ist… und die meisten anderen nicht.
Andererseits bin ich aber auch froh, dass es niemand sagen kann. Hätte man den Ursprung der Homosexualität gefunden, kämen die ersten Idioten sicher auf Ideen, wie man sie verhindern könnte. Und gäbe es die Möglichkeit, Homosexualität auf irgendeine Weise „auszuschalten“ – dann würde Sexualität nachher zur Entscheidungssache werden und oh je… Nein, was da für Debatten folgen würden, ich möchte es gar nicht erleben.

In meinem Fall kann ich nur sagen, dass meine Orientierung entweder schon immer in mir war, oder sich zumindest in früher Kindheit gebildet hat. Wieso auch immer.
Schon im Kindergarten war ich in meine beste Freundin verliebt und fand furchtbar ungerecht, dass ihr Nachbarsjunge behauptete, er würde später „mit ihr heiraten“. Schon da spürte ich so ein … fieses Gefühl der Benachteiligung. Zwar waren wir beste Freundinnen, spielten die tollsten Spiele  und der Nachbarsjunge hatte längst nicht so viel mit ihr gemein – aber Heiraten, tja, da konnte nur er von träumen. Wie ungerecht.
So kritzelte ich ihr weiter mühsam meine Liebesbriefchen und schickte sie  nie ab.

Mir war irgendwie klar, dass da was falsch war – mit mir. Deswegen blieben die Briefchen in einer Kiste versteckt. Einmal fragte ich meine Oma, ob das denn sein könnte, dass man sich in seine beste Freundin verliebt. „Ja, als Kind, da kann das schon sein.“, sagte sie. Ok. Ich war ja nur ein Kind. Dann ist es ja nicht so schlimm.
Über die Sendung „Marienhof“ (da gab es mal das Pärchen Billi und Andrea) schnappte ich den Begriff „lesbisch“ auf… und fragte prompt meinen nur ein paar Jahre älteren Cousin, ob es sein könnte, dass ich einmal lesbisch werde. „Weiß ich nicht.“, sagte er. Ok. Dann heißt das alles wohl noch nichts. In meinen verschwommenen Zukunftsideen sah ich mich natürlich in einer klischeemäßigen Familie als Ehefrau mit Mann und Kindern. Ja ja. So wird das schon werden. Dachte ich, hoffte ich

Zu Grundschulzeiten wurde ich meinen Gefühlen gegenüber verschlossener. Ich begann für weibliche Popsternchen zu schwärmen, liebte sie heiß und innig – aber das war ja normal, das durfte ich. Da konnte ja niemand was gegen sagen. Vor allem auch nicht, weil ich im realen Leben von Zeit zu Zeit beschloss in diesen oder jenen Klassenkameraden „verliebt“ zu sein. Dabei handelte es sich allerdings immer um zutiefst rationale Entscheidungen, je nachdem wer gerade der netteste und beliebteste Junge in der Klasse war.

Auf der weiterführenden Schule legte ich die Gedanken dann komplett zur Seite. Meine kindlichen Gefühle stempelte ich als nichtaussagekräftig ab. Wie unrealistisch war denn bitte, dass ausgerechnet ICH lesbisch werden würde? Ja. Voll unwahrscheinlich.

Heute führe ich ein lesbisches Internetblog. So viel zum Thema.

Welch ungetrübteren Zugang ich zu meinen Neigungen in Kindheitstagen doch hatte.  Wie konnte ich jemals angezweifelt haben, dass es so ist, wie es schon immer war? Über die Pubertätsphase hinweg wollte ich es nicht sehen und baute Widerstände mir selbst und meinen Sehnsüchten gegenüber auf, denen ich als Kind noch relativ unbefangen begegnet war. Tatsächlich versuche ich seit meinem inneren Coming Out Stück für Stück wieder zurück zu dieser Unbefangenheit zu finden. Von wegen nur ein Kind! Gefühle sind echt; und ehrlicher als die Gefühle eines Kindes …geht wohl kaum.

Wow, es ist so eindeutig. Ich bin lesbisch.

Ich habe das Wochenende mit ein paar meiner ältesten Freundinnen verbracht. Ein munteres Beisammensein, in Erinnerungen schwelgen und alte Zeiten wieder aufleben lassen. Im wahrsten Sinne. Irgendwann gab es einen Punkt, an welchem ich mich um Jahre zurückversetzt fühlte – allerdings nicht im nostalgischen, sondern im unangenehmen Sinne. Je ausgelassener die Stimmung wurde, desto mehr kramten die jungen Damen ihre alteingesessenen Mädchenhaftigkeiten hervor; und damit meine ich, dass es nur noch um Männer ging.

OK, kein Ding, hab ich alles schon erlebt. 9 Jahre Mädchenschule. Aber vielleicht gerade deswegen, gerade weil ich das alles schon kenne und lang genug damit ausgehalten habe, ging es mir tierisch auf den Sack. Es war, als wäre ich wieder 17. Damals saß ich zu oft zwischen den anderen Mädchen und beteiligte mich widerwillig an ihren Männeranalysen. Sieht der und der gut aus? Wow, hat der nen Body. Hat er auch einen ordentlichen Charakter? Der ist zu hart, der ist zu weich, bla bla bla bla bla …BLA.

Der Unterschied zu früher war lediglich der, dass alle wissen, alle wissen müssten, dass ich bei diesen Themen nicht viel zu sagen habe. Dass ich mich bisweilen auch Fehl am Platz fühle, wenn wir zu lange bei diesem Thema verweilen. Manchmal frag ich mich aber, ob das wirklich angekommen ist. Denn wer so zu tiefst heterosexuell-gesteuert ist, der kann schon einmal vergessen, dass es einer Geschlechtsgenossin vielleicht nicht so ergeht. Wer umgeben ist mit so viel heterosexuellem Zuspruch, Verständnis, Geschmackseinigkeit, der kommt selten bis gar nicht auf die Idee, dass es auch anders sein könnte.

Ich mag sie alle. Wirklich. Aber ich hasse es, auf der Stelle zu treten und zu fühlen, wie sich alte Unzugehörigkeits-Komplexe zurückmelden. In solchen Momenten neige ich dazu mich zu fragen, wie viel wir überhaupt gemeinsam haben. Und zu wie viel Prozent ich nur aus Anstand dabeisitze.

Eine nahm Zettel und Papier zur Hand und begann, alle unserer Gruppe bekannten Kerle auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten. Welch ein Spaß. Als die normalen Typen aus waren, erinnerte man sich an Lehrer unserer Schulzeit. Ja, der Englischlehrer, war der geil; hach, weil er SO männlich war. Urgh, aber der Deutschlehrer, der war so schmierig. Hat der eigentlich wirklich was mit der Mathelehrerin?
Die Freundinnen redeten darüber, als ginge es um eine Daily Soap. In mir spielte sich derweil ein ganz anderer Film ab. Denn während meine Freundinnen zu Schulzeiten dem Englischlehrer nachlechzten und sich fragten, ob es der Deutschlehrer mit der Mathelehrerin trieb, saß ich zu Hause und habe geheult – weil ich in diese Mathelehrerin verliebt war.

Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, und es ist auch immer noch lustig, wenn wir uns heute treffen. Aber teilweise war diese Zeit… eine ganz andere für sie, als für mich. Wenn wir uns erinnern, sehen wir ganz andere Szenen. Ganz andere Gefühle kommen hoch. Wir haben manche Zeiten eher nebeneinander als miteinander erlebt! Und so ist das auch in Echtzeit.

Es macht mich irgendwie traurig. Wir sind ja Freunde. Freundschaft knüpft sich nicht an Sexualität; und wenn wir über dieselben Witze lachen, ist egal wer hier auf wen steht. Und dennoch schleicht sich die Gewissheit dieses einen, deutlichen Unterschieds – zumindest bei mir – ins Bewusstsein und nervt. Ja, nervt. Wie ein Fluch, den ich niemals ablegen könnte.

Vorbei! Die letzte Folge von „Hand aufs Herz“ ist gelaufen und die Welt muss sich von ihrem geliebten, lesbischen TV-Pärchen Jemma verabschieden.

Zum Schluss bekamen die Zuschauer noch einmal alles geboten, was eine große Liebesgeschichte so braucht… Drogenprobleme, dramatische Flughafenszene und Tod. In rasanter Geschwindigkeit wurden diese Themen noch eben abgehandelt, bevor das große Finale steigen konnte – in welchem alle Serienpärchen ihr zuckersüßes Happy End fanden. Natürlich.

Nichtsdestotrotz – wie schade, dass es nun vorbei ist. Denn hier hat Sat1 einen Nerv getroffen, zumindest was eben jenes lesbische Pärchen angeht… Die positive Resonanz war erstaunlich und somit blieb die Storyline auch bis zum Ende; sie wurde nicht zerstört wie die meisten anderen Geschichten, die wir sonst so gesehen haben. Kein Mann dazwischen. Kein Feuertod. Hat trotzdem funktioniert.

 

                      

(Wirkliche schöne Bilder hier: http://brennooth.tumblr.com/)

Am Ende bleibt ein vereintes, glückliches Pärchen und wir Zuschauer wissen, dass es in der „Hand aufs Herz-Welt“ für immer so bleiben wird. Glücklich bis ans Ende aller Tage.

Also, Hand auf Herz, unsereins bekommt nicht allzu oft eine gesüßte und gelingende lesbische Romanze geboten. Schön, dass es Jenny+Emma gab, die sich nun in die ehrenvollen Reihen der besten lesbischen TV-Pärchen einfügen dürfen.
Für immer. ;)

Lesbische Historie interessiert mich seit jeher.
In unseren Vorstellungen haben wir alle immer ein eingeschränktes und oft klischeebelastetes Bild von vergangenen Jahrhunderten, denn alles was uns bleibt um überhaupt eine Idee davon zu konstruieren, sind die Anhaltspunkte, die uns aus jenen Zeiten überliefert wurden; meist sind dies Bücher und Briefe. Aber diese sind auch mit Vorsicht zu genießen, denn für wie wahr können wir halten, was dort steht? Dokumente vergangener Zeiten sind in ihren Darstellungen immer so ehrlich und realitätsnah, wie ihre Zeit es zuließ. Zu einem damals tabuisierten Thema wie Homosexualität finden wir von daher… wenig!

Wie erging es damals einer Frau, die Frauen liebte? Wie erklärte sie sich selbst diese Neigung? Schließlich gab es vor 200 Jahren noch keinen Begriff wie „lesbisch“.
Man mag sich schon fragen, ob es früher überhaupt homosexuelle Frauen gab, denn man findet keine Hinweise auf sie. Wie soll so ein Leben auch möglich gewesen sein, bei all den gesellschaftlichen Konventionen, den streng einzuhaltenden Rollenbildern von Frau und Mann, oder den streng geltenden religiösen Ansichten? Solche Fragen stelle ich mir manchmal.

Neulich stieß ich auf das Buch „Geschichte einer Liebe: Adele Schopenhauer und Sybille Mertens“ von Angela Steidele; und nun kann ich mir das ein oder andere besser vorstellen.

In anschaulicher Art und Weise schildert die Autorin die soap-reife Liebesbeziehung zwischen zwei Damen höheren Standes im 19. Jahrhundert. Die Kurzbeschreibung:
„Adele Schopenhauer – Schriftstellerin, Künstlerin, die Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer – und die »Rheingräfin« Sibylle Mertens-Schaaffhausen verband eine leidenschaftliche Liebesbeziehung mit den dazugehörigen Höhen und Tiefen. Seit 1828 waren sie ein Paar: »am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie – so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen«, schrieb Adele ihrer Freundin Ottilie von Goethe. Sibylle Mertens war eine der gebildetsten Frauen ihrer Zeit, Musikerin, Komponistin, Archäologin, Antikensammlerin und Mäzenin. Ihre Salons in Bonn und Rom waren berühmt. Vom Vater an einen ungeliebten Mann verheiratet, pflegte sie Zeit ihres Lebens intensive Beziehungen zu Frauen. Adeles Leben mit Sibylle Mertens wurde so nicht nur von deren Ehemann und ihren sechs Kindern beeinträchtigt, die ihre Beziehung als »Unrecht, Wahnwitz, Tollheit« torpedierten. Auch Sibylles Hang zu neuen Eroberungen ebenso wie ihre enge Freundschaft zu Annette von Droste-Hülshoff lasteten schwer auf Adele. Aber selbst nach einer mehrjährigen Trennung fanden sie wieder zusammen. Anhand vieler bisher unveröffentlichter Quellen erzählt Angela Steidele die Geschichte zweier ungewöhnlicher Frauen: Pionierinnen, die in Wissenschaft und Kultur, Wirtschaft, Politik und nicht zuletzt in ihrem Privatleben Grenzen einrissen – zu einer Zeit, als es Liebe zwischen Frauen offiziell gar nicht geben durfte.

Ich war sehr angetan von diesem Buch. Aufwändig recherchiert und nachvollziehbar aufgebaut; angenehm flüssig zu lesen, trotz der vielen Zitate, die dem ganzen wiederrum die nötige Authentizität geben, die ein glaubhafter Blick in die Vergangenheit eben benötigt.
Nach dem Lesen dieser Lektüre bin ich ziemlich sicher, dass es schon immer Lesben gab;
und dass die Liebe, mit all den Komplikationen, die sie so mit sich bringt, damals wie heute …noch dieselbe ist.

In den letzten Monaten habe ich viel nachgedacht und erkannt, dass ich noch einen weiten Weg vor mir habe.
Aber hey, ich habe damit begonnen ihn zu gehen. Vor einem Jahr sah mein Leben noch ein gewaltiges Stück anders aus. Was sich in der Zwischenzeit verändert hat, war nicht immer schön. Aber es war wichtig.

Nachdem meine erste Liebesbeziehung so schäbig wie möglich in die Brüche gegangen war, hing ich erst einmal ziemlich hilflos in meinem übriggebliebenen Leben. Eine beschissene Erfahrung. Auf einmal war das sichere Reich, das ich mir mühsam aufgebaut hatte und in dem ich mich frei *lesbisch* bewegen konnte …weg. Futsch. Kaputt und irreparabel. Und ich – ich war wieder da, wo ich vor gut drei Jahren schon einmal gewesen bin. Als wäre nichts gewesen: Allein, frustriert und bitter. Ja, super, ich habe also eine lesbische Beziehung geführt. Gut, ich habe mich vor meinen Freunden und einem Teil meiner Familie geoutet. Yea, ich habe einen Blog begonnen, um mich besser mitteilen zu können. Hmhm.
Und was zählt das jetzt, da ich wieder alleine hier sitze?

Konnte es denn sein, dass ich mich zwei Jahre auf einer Beziehung ausgeruht habe, nur um dann abserviert zu werden und mich anschließend wieder genau so kacke zu fühlen wie es vor dieser Beziehung der Fall war? Nein. Natürlich nicht!

Problem war – ich bin vorher nie „lesbischer“ Single gewesen. Vor der ersten Beziehung war ich ungeoutet und tat hetero. Ich war allein… aber gegen alle Angriffe geschützt. In der Beziehung traute ich mich ein Stück vor und begann mich nach und nach zu outen, denn ich hatte ja jemanden als Rückhalt. Aber die neue Situation – out und allein – die kannte ich noch nicht. Und Nichts hat mich mehr geschockt, als die Erkenntnis, dass ich wieder die einzige Lesbe in meinem Leben war.  Ja! Mein Freundeskreis hatte sich in diesem Punkt einfach nicht verändert. … Ich war wieder die Einzige, die anders tickt. Und das nun ganz offiziell.

So brauchte ich erst ein jähes Ende vermeintlicher Sicherheit um mich wirklich raus zu trauen. Zwangsläufig musste ich mal meine Fühler ausstrecken und mich nach Gleichgesinnten umschauen. Und ich stellte fest – das tut gut. Für den lesbischen Selbstwert ist es unabdingbar sich mit anderen Lesben anzufreunden. Mal die Szene anzuschauen. Mal das Gefühl zu bekommen, dass man gar nicht so besonders ist –  denn es gibt noch viel mehr von der Sorte!
Aber wie gesagt. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir und enden wird der nicht so schnell. Wie heißt es so schön:  Der Weg ist das Ziel.

…Auf ein hoffentlich interessantes zweites Babydyke-Jahr.

… bitte nicht so.

Und dazu das:

Jetzt bestätigt auch Gina-Lisa die Sommerromanze gegenüber BILD.de.

„Ich bin seit einer Woche mit ihr zusammen. Sie hat mich sehr verwöhnt, ihre Lippen schmecken sehr gut.“

http://www.bild.de/unterhaltung/leute/loona/ich-bin-seit-einer-woche-mit-loona-zusammen-18936584.bild.html

Ich bin ja immer für lesbische Sichtbarkeit. Aber irgendwie drängt sich in diesem Fall das Gefühl auf, dass die homosexuelle Gemeinschaft dieser Welt nur all zu gut darauf  verzichten könnte. Ich denke, das Problem ist offensichtlich, aber hier noch ein paar Sätze zu Gina-Lisas bisherigem Privatleben (auf Wikipedia zu finden):

Lohfinks Liebesleben war des Öfteren im Fokus der Öffentlichkeit. Für Aufsehen in der Boulevardpresse sorgte 2008 ein Privatporno mit dem 38-jährigen Boutiquenbesitzer Yüksel D. Nach ca. 10 Millionen Downloads des Sexfilms erhielt Yüksel D. 2008 den EroticLine-Award als bester Amateur-Nachwuchs. 2009 war Lohfink mit dem Popsänger Marc Terenzi liiert. Zusammen wirkte das Paar in Terenzis erstem Kurzfilm The Vampires Club mit. Nach sechs Monaten erfolgte die Trennung. 2010 waren sie und Romulo Kurányi, der Bruder des Fußballers Kevin Kurányi, für vier Monate ein Paar. Ein One-Night-Stand mit Manny Marc von den Atzen findet in einer Textzeile des Liedes Strobo Pop Erwähnung. Von August 2010 bis Juni 2011 war sie mit dem Fußballspieler Arthur Boka liiert”

(… wenn das mal nicht eine Frau mit Vorbildcharakter für junge Bis und Lesben dieser Welt ist)
Es was als Gag gedacht; OK, sex sells, aber dieses ganze Nachgeplänkel ist doch nicht nötig… Bei Loona + Gina-Lisa wird Lesbianismus  in übelster Klischee-Manier mit Männerfantasien verknüpft: heiße Blondine trifft noch heißere Blondine und superheiße Küsse folgen. Alles wird gefilmt und dann öffentlich diskutiert. Geil geil geil!
… Das hätte doch gereicht! Dieses jetzige Gerede von lesbischer Liebe – das macht alles erst so furchtbar lächerlich und unangenehm.

Sichtbarkeit hin oder her, aber irgendwie brauche ich das nicht. Diese geschickt auffällig inszenierte Paarung ist eigentlich alles, was ich scheiße finde. Gut, dass man bald eh nichts mehr davon hören wird.

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