Homo-Ehe

Das Kalenderblatt bei TV Total meinte gestern, es wäre der Tag der gleichgeschlechtlichen Ehe.
Na sowas! Zeit, sich mal mit dem Thema zu beschäftigen. Und somit habe ich mich gleich mal hingesetzt und geschaut, wie überhaupt der aktuelle Stand der Dinge ist – denn das Thema Ehe ist für mich so unendlich weit weg, dass ich mich noch nie wirklich informiert habe.

Im europäischen Raum ist die Homo-Ehe in 6 Ländern geöffnet: Niederlande, Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal und Island. Schöne Länder.
In vielen anderen Ländern, darunter auch Deutschland, dürfen sich homosexuelle Pärchen mit der eingetragenen Partnerschaft absichern. Die rechtlichen Wirkungen sind teilweise unterschiedlich zur Ehe… hier in Deutschland liegen Unterschiede im Verfassungsrecht, Einkommensteuerrecht, Besoldungs- und Versorgungsrecht der Beamten und in der berufsständischen Versorgung. Besonders die Regelung des Einkommens- und Erbschaftssteuersteuerrechts sowie das Adoptionsrecht stoßen hier auf Protest, da deutliche Nachteile im Vergleich zu der heterosexuellen Ehe zu finden sind.
Es gab und gibt es immer wieder Bestrebungen, auch hier in Deutschland den Homosexuellen die Ehe zu ermöglichen, doch wie man liest scheitert alles regelmäßig an CDU/CSU und zuweilen auch der FDP.

Mein persönlicher Loser des Themas ist, insbesondere auf Grund der Entwicklungen des gestrigen Tages,… Frankreich! Die handhaben die homosexuelle Partnerschaft ähnlich wie Deutschland, also nicht so richtig gleichberechtigt – und erst gestern wurde dort erneut die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe abgelehnt. Nun gut, manche brauchen eben länger als andere. Allerdings ist ja auch alles eine Frage des Wie… und da kommt Frankreich nicht sehr sympathisch rüber.
So sagte Michel Diefenbacher, Redner des konservativen Regierungsbündnisses UMP, doch glatt, Frankreich solle sich „weder nach dem Wind richten noch Modeerscheinungen beugen“. (Modererscheinungen?!) Die Ehe dürfe nicht angetastet werden, weil sie „dem Schutz der Schwächsten, vor allem der Frau“ diene. (???) Sein Parteifreund Christian Vanneste sprach von einer „anthropologischen Absurdität“. Schließlich müsse die Gesellschaft „ihr Überleben sichern“. Wow.
… So stellt sich also das ehemalige Land großer Revolutionen dar. Liberté, Egalité, Fraternité?
Aber wen interessiert schon Frankreich.

Ich glaube, die Welt ist auf einem guten Weg! Immerhin gibt es die Möglichkeit der eingetragenen Lebenspartnerschaft noch nicht all zu lange. Es ist ein junges Phänomen und wird mit Sicherheit in den nächsten Jahren noch weiter um sich greifen. Toi, toi, toi.

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Lesben lieben Shipping

Ein großes Anliegen der Homosexuellen weltweit ist Sichtbarkeit. Der Norm entsprechend finden wir uns alle ständig in einem sehr heterosexualisierten Alltag wieder, in dem sich so mancher, wie ich zum Beispiel, ab und zu fragen möchte, ob es sowas wie Lesben überhaupt gibt… ?
Manchmal ist es schwierig festzustellen – aber JA, Lesben gibt es. Vielleicht nicht direkt in der Nachbarschaft; vielleicht auch nicht am Arbeitsplatz oder gar im Freundeskreis; man weiß es nie so genau… aber zumindest im Fernsehen – da gibt es sie!

Und das ist wunderbar. Gerade die homosexuelle Community erweist sich immer wieder als sehr dankbar für jedes schwul/lesbische TV-Pärchen. Jedes Mal entstehen gleich ganze Shipper-Gruppen, die mit ihrem ganzen Herzblut für ein Pärchen fighten und damit einen wichtigen Beitrag zum Thema Sichtbarkeit leisten.

Was ist Shipping? Das alleswissende Wikipedia sagt dazu: „Shipper (von eng. relationship abgeleitet, dt. Beziehung) sind Menschen, die sich emotional engagieren, während sie die Entwicklung von Liebesbeziehungen in einem Roman, einer Fernsehserie oder einer sonstigen fiktiven Erzählung verfolgen. Dabei können eigene Vorstellungen über den weiteren Verlauf dieser Beziehungen entstehen.(…) Das „Shipping“ beschränkt sich hierbei nicht nur auf heterosexuelle Beziehungen. Im Gegenteil, homosexuelle Paare erfreuen sich unter Fans manchmal sogar noch größerer Beliebtheit.“

„Hand aufs Herz“-Pärchen „Jemma“ ist mittlerweile in der lesbischen Community angekommen wie Franzi+Paula vor ein paar Jahren vielleicht. Auch damals schwappte einem lesbischen TV-Pärchen eine dicke Sympathiewelle entgegen, die so weit reichte, dass selbst Leute im Ausland Notiz davon nahmen.


Nicht ohne Grund befindet sich auf der offiziellen „Hand aufs Herz“-Homepage bereits ein Video, in dem extra alle Jemma-Szenen zusammengeschnitten worden sind. Dies ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass der Sender Sat1 und die Macher von HaHe wahrgenommen haben, dass ihre lesbische Storyline eine beträchtliche Gruppe Menschen erreicht.

In Amerika gibt es zurzeit ein ähnliches Phänomen. In der Serie „Glee“ schaut alles auf die Entwicklung zwischen Brittany und Santana.


Die beiden Freundinnen führen eine nicht-halbe-und-nicht-ganze Beziehung miteinander und wir Zuschauer können genüsslich dabei zusehen, wie es immer ernster wird. An der Figur Santana wird die Schwierigkeit des inneren Coming Outs anschaulich dargestellt, was ich absolut super finde, denn gerade da hat es auch bei mir gehakt. Desweiteren wird sich im Abhandeln der Geschichte angenehm viel Zeit gelassen.

Lange beruhte die vage Hoffnung, „Brittana“ könnte zu einem lesbischen Pairing führen, nur auf Subtext-Momenten… aber mittlerweile darf man sich berechtigte Hoffnung machen, dass aus den beiden was Festes wird.
Und wem haben wir das zu verdanken? Den treuen Shippern! Auszug aus einem Interview von Vanity Fair mit Schauspielerin Naya Rivera, Santana aus Glee:

Vanity Fair: „Als ich mit Heather Morris (Brittany) zum ersten Mal letztes Jahr sprach, sagte sie eure On-Screen-Beziehung würde mehr in die Richtung „Best Friends Forever“ als „Friends With Benefits“ gehen. Wir alle wissen, dass die Show nicht für ihre interne Beständigkeit bekannt ist, aber – was hat sich verändert und wie?“
Naya Rivera: „Ich denke, das kam, weil die Autoren so ein starkes Verlangen der Fans – der Brittany und Santana Fans – nach einem Zusammenkommen der beiden wahrnahmen. Anfangs nahmen wir es eher leicht. Aber dann dachten wir, das ist etwas, was die Leute wirklich von uns wollen; das ist etwas, das wir angehen sollten. Und so kam eines Tages (head writer) Brad Falchuk auf mich zu und meinte ‚Wir haben beschlossen, diese Storyline zu erkunden‘ und ich war absolut dafür und wusste, die Leute würden es anerkennen.“

Und wie wir das anerkennen. Hierzulande strahlt SuperRTL Glee montags um 20.15 Uhr aus.

Ebenfalls erwähnenswert und schon etwas länger dabei – Callie und Arizona bei „Grey‘s Anatomy“, zu sehen bei ProSieben. Anhand von „Calzona“ werden sogar die schwierigsten homosexuellen Themen ergründet: Kinder und Ehe. Da dieses Pärchen schon so einiges hat durchstehen müssen und Teil einer der erfolgreichsten Prime Time Serien ist, haben sie einen Haufen Fans…
… http://callie-arizona.livejournal.com/profile
 http://www.fanpop.com/spots/callie-and-arizona
…  http://www.facebook.com/pages/Callie-and-Arizona-Calzona/156744441442

Warum Lesben Shipping so lieben ist leicht erklärt. Lesbische TV-Pärchen sind immer noch eine Seltenheit. Und wenn es sie gibt, ist ein Happy-End eine ebenso große Seltenheit. Und dennoch hängen unsere Hoffnungen auf mehr Toleranz und Akzeptanz an diesen fiktiven Paaren; denn nichts erreicht auf einen Schlag so viele verschiedene Menschen, egal ob homosexuell oder homophob, wie das Fernsehen. Nirgendwo bietet sich uns eine bessere Plattform, um mit Vorurteilen aufzuräumen und auch einmal unsere Sicht der Dinge darzustellen.

Es könnte alles immer noch besser sein; aber ich freue mich über die TV-Pärchen weltweit. Sie transportieren neben dem üblichen Drama die einfache, aber ungemein wichtige Message an die Welt: JA, Lesben gibt es. (Und sie sehen sogar gut aus.)

Little Women

Diesen Beitrag möchte ich meiner ersten großen, nicht-realen Liebe widmen: Josephine March; ursprünglich Romanfigur aus Louisa May Alcotts Buch „Little Women“ (im Deutschen: „Betty und ihre Schwestern“).  Der Zufall wollte, dass ich nach langer Zeit mal wieder auf die Geschichte stieß und (jetzt erst) verblüfft feststellte, dass viel mehr darin steckt, als bloß eine zuckersüße Familiensaga.

Die Geschichte der Familie March spielt im Amerika des 19. Jahrhunderts; mitten im Bürgerkrieg. Während der Vater im Krieg ist, schlagen sich die Mutter und ihre vier Töchter (Meg, Jo, Beth und Amy) durch den Alltag einer patriarchalen Gesellschaft… zu einer äußerst schwierigen Zeit. Wir verfolgen die kleineren und größeren Leiden der Mädchen und sehen zu  wie sie erwachsen werden. Fast langweilig. Wäre Jo nicht so ein wunderbarer Charakter!

Im Gegensatz zu ihren Schwestern und allen anderen  weilblichen Figuren in der Geschichte ist Jo  selbstbewusst, selbstdenkend und eigen. Sie hat keinen Sinn fürs Kochen, Waschen oder andere typisch weibliche Aufgaben, sondern liebt das Schreiben und verfolgt den Traum, selbst darin Karriere zu machen. Mit dem hübschen und reichen Laurie freundet sie sich an – doch heiraten will sie ihn nicht. Heiraten will sie gar nicht. Sie wäre gern ein Junge – denn sie will Freiheit. Sie ist ein „Tomboy“ – und das zu einer Zeit, in der es sowas eigentlich nicht geben sollte.

Der Stoff ist mittlerweile mehrmals verfilmt worden; die meisten kennen Jo March wohl als Rolle von Winona Ryder in der Fassung von 1994. Mir begegneten Jo & Co zunächst als Anime-Gestalten auf RTL2. Damals war ich vielleicht 6 Jahre alt und RTL2 sendete noch nette, beinahe bildende Kindersendungen! Ich habe diese Sendungen geliebt –  besonders: „Eine fröhliche Familie“.

Oh, Erinnerungen.

Als kleines Mädchen fand ich das großartig. In Jo March konnte ich mich sehen: Auch ich war keines dieser typischen Mädchen, die mit Puppen spielten und Prinzen heiraten wollten; auch ich war burschikos und wäre gerne ein Junge gewesen. In meiner Serienheldin fand ich quasi eine Verbündete, ein Vorbild.
Später erfuhr ich dann, wie die Geschichte laut Roman für Jo ausgeht – und da war es vorbei mit meiner Begeisterung. Jo heiratet (nach jahrelangem Durchhalten als selbstbestimmter Single) schließlich einen alten, komischen Professor. Ernüchternd.


Dieses Ende passte nicht. Buch, Film und Serie waren für mich schlagartig nur eine nette Geschichte…  Bis zu einem gewissen Grad fand ich mich vielleicht darin wieder – doch jedes Mal fühlte ich mich von dem typischen Ehe-Happy-End-Scheiß verprellt. Das war nicht meine Jo; und so wollte ich nicht sein.

Jetzt, Jahre später, habe ich dann entdeckt, dass man viel mehr aus „Little Women“ herauslesen kann, als man zunächst meint. Es gibt sogar Leute, die sich arg damit beschäftigt haben, lesbischen Subtext herauszulesen. Ja! Meine Kindheitsheldin entpuppt sich als höchst komplexer, Geschlechterrollen dehnender Charakter – mit …möglichen… lesbischen Tendenzen.

Die Figur Jo March soll viele autobiographische Züge ihrer Erschafferin tragen; das selbstbewusste Auftreten, die Liebe zum Schreiben, die Rolle in der Familie.

Autorin Louisa May Alcott selbst ist in ihrem Leben immer unverheiratet geblieben – über ihr Liebesleben ist nichts bekannt. In einem Interview 1883 soll sie gesagt haben: „Ich bin mehr als zur Hälfte überzeugt davon, dass ich die Seele eines Mannes habe, und durch eine Laune der Natur in den Körper einer Frau gesteckt wurde (…) Ich war in so viele hübsche Mädchen verliebt, aber nie auch nur ein bisschen in irgendeinen Mann.
Interessant… Es heißt, auch Jo sollte ursprünglich ewiger Single bleiben – doch Leser und Herausgeber verlangten, der damaligen Zeit und allen gesellschaftlichen Konventionen geschuldet, dass die Heldin nicht alleine enden dürfte. Alcott beugte sich dem Druck.

Aber sagt das am Ende wirklich etwas über den Charakter Jo March oder ihre Sexualität aus? Oder sehen wir hier nicht viel mehr, wie die Leute damals drauf waren? Dieses erzwungene, seltsame Ende der Geschichte spiegelt eindeutig die engstirnige Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wieder: Frauen haben sich den Erwartungen anzupassen; Selbstverwirklichung gibt es nicht. Nicht für Alcott: sie schreibt, was sie schreiben soll. Und nicht für Jo: sie heiratet, weil sie heiraten soll.

Nichtsdestotrotz – ich freu mich. Meine Kindheitsheldin Jo ist mir, ist uns, am Ende vielleicht doch viel ähnlicher, als man zunächst denken könnte. Manche Geschichten laden dazu ein, sie mal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten; man entdeckt die verrücktesten Sachen dabei.

Xena!

Beim Schreiben über den Wicked-Subtext erinnerte ich mich an einen anderen, wesentlich bekannteren Subtext-Fall, den ich trotz seines Alters immer noch sehr erwähnenswert finde – den Subtext in „Xena – die Kriegerprinzessin“.


Ich habe damals, vor langer Zeit, bevor ich überhaupt irgendwie ahnte lesbisch zu sein, schon das Gefühl gehabt, dass Xena und Gabrielle sich doch sehr nah standen.
Damals lief die Sendung, wenn ich mich richtig erinnere, sonntags auf RTL, und eigentlich durfte ich das gar nicht gucken (Gewalt usw.…) aber ich habe es trotzdem irgendwie geschafft. Wenn ich jetzt zurückdenke, weiß ich noch, dass ich Gabrielle toll fand und zu gerne Xena gewesen wäre, wenn diese sie mal wieder retten durfte. Damals hatte ich ja keine Ahnung (immerhin war ich ein Kind), aber gewisse Szenen zwischen Xena und Gabrielle gaben mir ab und an ein seltsames, kribbeliges und auch leicht beschämtes Gefühl – so als würde ich da etwas Unanständiges beobachten.  Es ist lustig, wenn ich mich so erinnere und dabei feststelle, wie verdammt „gay“ ich damals schon gewesen bin; und welch doch ausgeprägten Sinn Kinder für gut verpackten Subtext haben können.

Denn, wie Subtext es nun einmal so an sich hat, wird ja nichts eindeutig ausgesprochen. Zwar laufen Xena und Gabrielle so gut wie ständig gemeinsam durch die Sendung, tauschen vielsagende Blicke und Berührungen aus – aber beide Charaktere bekommen auch wieder die ein oder andere Hetero-Affäre zugeschrieben; welche im Vergleich zu dem versteckteren, lesbischen Unterton doch ziemlich eindeutig sind.

Nichtsdestotrotz hat diese Sendung eine sehr große lesbische Fangemeinde geschaffen, da durchgehend, über 6 Staffeln verteilt, Andeutungen und Liebesbekundungen gestreut werden; außerdem wollten sowohl das Produktionsteam als auch die Darstellerinnen nicht mit Pro-Xena+Gabby Kommentaren geizen.

… bei manchen Bildern kann man doch gar nicht mehr von „Subtext“ reden, das sieht doch arg nach „Maintext“ aus!

Einige Zitate zum Subtext finden sich hier zusammengefasst: http://www.youtube.com/watch?v=TYyL5soCLnA

Und hier wird der gesamte Subtext (in englischer Sprache) von der ersten bis zur letzten Folge enthüllt: http://webspace.webring.com/people/lx/xwl/frame.html

In der Zeit von 1995-2001 bot die Sendung eine ganz neue Welt für lesbische Zuschauer und zu Recht hat sie bis heute Kultstatus. Hoffentlich gibt es mal wieder einen Re-Run dieser Serie. Ich würde es mir zu gerne nochmal ansehen…

Wicked Subtext

Als bekennender Musical-Fan erwarb ich vor ein paar Jahren die CD der Broadway-Inszenierung von „Wicked – Die Hexen von Oz“. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse zur Story des Musicals hörte ich mal hinein – musste ja gut sein, war ja schließlich erfolgreich – und siehe da, es gefiel mir tatsächlich. Besonders, weil zwei starke Frauen im Mittelpunkt der Geschichte stehen.

…ein bisschen Werbung…

Worum geht es ganz grob: Wir befinden uns im Land Oz – bevor die ganze Sache mit Dorothy und dem Zauberer von Oz überhaupt beginnt. Wie sehen also die Vorgeschichte des Klassikers, die sich damit befasst, wer die böse, grüne Hexe des Westens (Elphaba) eigentlich war; wie sie überhaupt wicked wurde; und wie sie zu Glinda, der guten Hexe, stand.

Bereits beim blanken Hören mancher Stücke, wurde ich aufmerksam auf das intensive Verhältnis zwischen Glinda und Elphaba. Ein Textbeispiel, aus dem ersten Song der beiden „What is this feeling„:

…What is this feeling,
So sudden and new?
I felt the moment
I laid eyes on you;
My pulse is rushing;
My head is reeling;
My face is flushing;
What is this feeling?
Fervid as a flame,
Does it have a name?
… Yea….

… und man möchte schreien LOVE! Aber Nein. Am Anfang predigen beide ihre Abscheu für einander (fangen romantische Komödien nicht auch immer so an?)… Sehr verdächtig alles.

Nach etwas Internetrecherche stieß ich dann tatsächlich auf ein paar aufmerksame Menschen, die dafür plädieren, dass zwischen Elphaba und Glinda ein bisschen mehr als Freundschaft herrscht. „Gelphie“ wird dieses Pairing liebevoll genannt. Diese Deutung des Subtext entspringt nicht nur der Bühnenfassung der Geschichte, sondern um einiges mehr dem ihr zugrundeliegenden Buch „Wicked“ von Gregory Maguire. Auch dort finden sich Zeilen, die großen Interpretationsraum lassen.

… Neben Befürwortern gibt es natürlich auch genug Leute, die das Ganze überhaupt nicht sehen. Verständlicher Weise: sowohl Musical-Inszenierung als auch Buch legen Wert darauf, nichts zu eindeutig zu machen und geben beiden Charakteren Hetero-Storylines. (Wobei man durchaus mal in Frage stellen darf, wie überzeugend man das finden muss…)

Wie dem auch sei, ich möchte jetzt mal nicht alle Kleinigkeiten auflisten, die man irgendwie als Subtext bezeichnen könnte. Ich denke, das Finden und Deuten von Subtext macht sowieso am meisten Laune, wenn man es selbst macht. Aber für die besonders Skeptischen, die mir jetzt nicht glauben wollen, zwei Zitate:

Der Autor Gregory Maguire über Gelphie:
Die Frage (nach Gelphie) macht Sinn. Ich deute tatsächlich auf etwas hin, aber ich sage nicht genau, was es ist, und ich sage auch nicht, wie bekannt dies einer von beiden ist. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber der Hauptgrund ist, dass ich nicht klar sage, ob Elphaba „wicked“ ist – und wenn sie es wäre, wo diese „wickedness“ herkommt. (…) Elphaba und Glinda könnten eine romantische Neigung zueinander haben, ohne es überhaupt jemals zu wissen. Sie müssen es nicht wissen, damit es für den Leser wahr ist oder damit es für sie wahr ist. (…)“
(Siehe: http://community.livejournal.com/gelphie_lovers/profile)

… Und die wundervolle, original „Glinda“, Kristin Chenoweth:
„(Wicked) entwickelte sich aus diesen beiden Mädchen, und dadurch wurde es ein Hit, denke ich. Die Love Story spielt zwischen diesen beiden.“
(Siehe:
http://www.playbill.com/celebritybuzz/article/107855-DIVA-TALK-Catching-Up-with-Tony-Winner-Kristin-Chenoweth-Plus-News-of-Greene-and-Errico)

… Das Schöne am Subtext ist ja, dass man es sehen kann, wenn man will (oder eben nicht, wenn man nicht will) – aber man nie eindeutige Antworten bekommt. Deswegen kann man auch ewig weiter diskutieren und nie wirklich etwas belegen. Aber es kann eben auch nichts widerlegt werden…

Babydykes in Soaps

Meistens verpasse ich lesbische Storylines in den allabendlichen Soaps und Telenovelas… Und meistens ist das auch Ok, denn oftmals enden diese Geschichten ziemlich doof. Keine Ahnung ob das hier anders wird, aber immerhin bin ich schon mal aufmerksam geworden:

Sat1 ist so lustig und sendet gleich zwei Soaps mit lesbischen Storylines – direkt hintereinander. Von 18-19 Uhr kann man jetzt das Hin- und Her zwischen jungen Mädels beobachten. Der ganze komplizierte Kram, den babydykes eben so durchmachen, von wegen „Oh Gott, ich bin doch nicht lesbisch! Oder doch? Nein! Doch; nein…“ erst bei „Hand aufs Herz“ und dann bei „Anna und die Liebe“.

Emma + Jenny; „Hand aufs Herz“ 

… Lily + Jasmin; „Anna und die Liebe“

Man wird sehen, ob es sich lohnt, für die interessanten Szenen den ganzen übrigen Teil der Sendungen zu ertragen.
Aber was tut man nicht alles für ein bisschen lesbian love. … 😉

Das Leben ist kein Disneyfilm

Ich liebe (besonders die 90er) Disneyfilme… Meine Kindheit ist stark disneygeprägt und vielleicht ist meine Weltanschauung deswegen auch ein wenig zu romantisiert und auf Liebe ausgerichtet. Ja, früher ging es in Filmen wie „Die Schöne und das Biest“, „Aladdin“ oder „Arielle, die Meerjungfrau“( neben allen möglichen Tugenden) am Ende nämlich immer um die Liebe.

Wenn man sich die Disneyfilme von heute anschaut, muss man feststellen, dass sich die Werte ein wenig verschoben haben. So findet man zwar auch bei „Cars“ oder auch „Oben“ eine Love-Storyline, aber die Hauptanliegen der meisten neueren Filme scheinen Action und Witz zu sein.

Nun gut. Darüber wollte ich eigentlich gar nicht schreiben.

Denn eigentlich habe ich mich gefragt – gibt es Homosexualität bei Disney?!

Nach kurzem Überlegen lautet die Antwort erst einmal: Natürlich nicht.

Disney ist schließlich eine zutiefst amerikanischer Medienkonzern, der sich mit seinen Filmen (und Serien) vorwiegend an Kinder richtet und sich deshalb als Werte vermittelnd und möglichst „pädagogisch wertvoll“ verkauft. Und Disney ist schon ziemlich alt. Alle kennen Disney. Alle haben gewisse Erwartungen an Disneyfilme.

Und von Anfang an bedienten sich Disneyfilme der „Boy-meets-Girl“ Vorstellung. In den früheren Filmen findet sich das ständig: Schneewittchen, Cinderella und Dornröschen finden alle ihren Prinzen. Susi findet Strolch. Bernard liebt Bianca. Arielle hat ihren Erik. Und heute trifft Gabriella auf Troy im „High School Musical“. Und das ist ja auch schön, nicht wahr, das sind schöne Geschichten –  mir haben sie gut gefallen. Aber sie sind vollkommen straight!

Gerade in Disneys pädagogischem Auftrag wäre es doch super, wenn Disney seine Popularität bei Kindern (und auch ihre Macht auf diese…) dazu nutzen würde, Toleranz gegenüber Homosexuellen zu predigen. Und ich verlange gar keine homosexuelle Hauptgeschichte, mir würde schon ein offener, homosexueller Nebencharakter reichen.

Tatsächlich gibt es Charaktere, die schwule Tendenzen aufweisen… Herr von Unruh (Schöne u. das Biest), Jafar (Aladdin), Wiggins (Pocahontas) oder auch Ryan im High School Musical…

Allerdings sind das alles nur Vermutungen. Man kann sich vieles denken, wenn man will, und man kann vieles auch einfach übersehen, wenn man es nicht sehen will.

Mit fallen leider keinerlei weibliche Figuren mit lesbischen Tendenzen ein! Neben krass-straighten Damen wie Cinderella sind auch alle emanzipierteren Mädels wie Belle (Schöne u. d. Biest), Meg (Hercules) oder Mulan letztlich voll hetero. Da ist nix zu holen. Und auffällige weibliche Nebenfiguren mit einer homosexuellen Ausstrahlung? Mir fällt niemand ein…

Man kann sich gut vorstellen, wie groß der allgemeine Aufschrei wäre, wenn in einem Disneyfilm auf einmal ein homosexueller Charakter auftauchen würde. Aber ich glaube, das wäre echt wünschenswert und wenn das mal vorkommen sollte, dann können wir davon ausgehen, dass die Welt ein gigantisches Stück offener geworden ist…