Lesben lieben Shipping

Ein großes Anliegen der Homosexuellen weltweit ist Sichtbarkeit. Der Norm entsprechend finden wir uns alle ständig in einem sehr heterosexualisierten Alltag wieder, in dem sich so mancher, wie ich zum Beispiel, ab und zu fragen möchte, ob es sowas wie Lesben überhaupt gibt… ?
Manchmal ist es schwierig festzustellen – aber JA, Lesben gibt es. Vielleicht nicht direkt in der Nachbarschaft; vielleicht auch nicht am Arbeitsplatz oder gar im Freundeskreis; man weiß es nie so genau… aber zumindest im Fernsehen – da gibt es sie!

Und das ist wunderbar. Gerade die homosexuelle Community erweist sich immer wieder als sehr dankbar für jedes schwul/lesbische TV-Pärchen. Jedes Mal entstehen gleich ganze Shipper-Gruppen, die mit ihrem ganzen Herzblut für ein Pärchen fighten und damit einen wichtigen Beitrag zum Thema Sichtbarkeit leisten.

Was ist Shipping? Das alleswissende Wikipedia sagt dazu: „Shipper (von eng. relationship abgeleitet, dt. Beziehung) sind Menschen, die sich emotional engagieren, während sie die Entwicklung von Liebesbeziehungen in einem Roman, einer Fernsehserie oder einer sonstigen fiktiven Erzählung verfolgen. Dabei können eigene Vorstellungen über den weiteren Verlauf dieser Beziehungen entstehen.(…) Das „Shipping“ beschränkt sich hierbei nicht nur auf heterosexuelle Beziehungen. Im Gegenteil, homosexuelle Paare erfreuen sich unter Fans manchmal sogar noch größerer Beliebtheit.“

„Hand aufs Herz“-Pärchen „Jemma“ ist mittlerweile in der lesbischen Community angekommen wie Franzi+Paula vor ein paar Jahren vielleicht. Auch damals schwappte einem lesbischen TV-Pärchen eine dicke Sympathiewelle entgegen, die so weit reichte, dass selbst Leute im Ausland Notiz davon nahmen.


Nicht ohne Grund befindet sich auf der offiziellen „Hand aufs Herz“-Homepage bereits ein Video, in dem extra alle Jemma-Szenen zusammengeschnitten worden sind. Dies ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass der Sender Sat1 und die Macher von HaHe wahrgenommen haben, dass ihre lesbische Storyline eine beträchtliche Gruppe Menschen erreicht.

In Amerika gibt es zurzeit ein ähnliches Phänomen. In der Serie „Glee“ schaut alles auf die Entwicklung zwischen Brittany und Santana.


Die beiden Freundinnen führen eine nicht-halbe-und-nicht-ganze Beziehung miteinander und wir Zuschauer können genüsslich dabei zusehen, wie es immer ernster wird. An der Figur Santana wird die Schwierigkeit des inneren Coming Outs anschaulich dargestellt, was ich absolut super finde, denn gerade da hat es auch bei mir gehakt. Desweiteren wird sich im Abhandeln der Geschichte angenehm viel Zeit gelassen.

Lange beruhte die vage Hoffnung, „Brittana“ könnte zu einem lesbischen Pairing führen, nur auf Subtext-Momenten… aber mittlerweile darf man sich berechtigte Hoffnung machen, dass aus den beiden was Festes wird.
Und wem haben wir das zu verdanken? Den treuen Shippern! Auszug aus einem Interview von Vanity Fair mit Schauspielerin Naya Rivera, Santana aus Glee:

Vanity Fair: „Als ich mit Heather Morris (Brittany) zum ersten Mal letztes Jahr sprach, sagte sie eure On-Screen-Beziehung würde mehr in die Richtung „Best Friends Forever“ als „Friends With Benefits“ gehen. Wir alle wissen, dass die Show nicht für ihre interne Beständigkeit bekannt ist, aber – was hat sich verändert und wie?“
Naya Rivera: „Ich denke, das kam, weil die Autoren so ein starkes Verlangen der Fans – der Brittany und Santana Fans – nach einem Zusammenkommen der beiden wahrnahmen. Anfangs nahmen wir es eher leicht. Aber dann dachten wir, das ist etwas, was die Leute wirklich von uns wollen; das ist etwas, das wir angehen sollten. Und so kam eines Tages (head writer) Brad Falchuk auf mich zu und meinte ‚Wir haben beschlossen, diese Storyline zu erkunden‘ und ich war absolut dafür und wusste, die Leute würden es anerkennen.“

Und wie wir das anerkennen. Hierzulande strahlt SuperRTL Glee montags um 20.15 Uhr aus.

Ebenfalls erwähnenswert und schon etwas länger dabei – Callie und Arizona bei „Grey‘s Anatomy“, zu sehen bei ProSieben. Anhand von „Calzona“ werden sogar die schwierigsten homosexuellen Themen ergründet: Kinder und Ehe. Da dieses Pärchen schon so einiges hat durchstehen müssen und Teil einer der erfolgreichsten Prime Time Serien ist, haben sie einen Haufen Fans…
… http://callie-arizona.livejournal.com/profile
 http://www.fanpop.com/spots/callie-and-arizona
…  http://www.facebook.com/pages/Callie-and-Arizona-Calzona/156744441442

Warum Lesben Shipping so lieben ist leicht erklärt. Lesbische TV-Pärchen sind immer noch eine Seltenheit. Und wenn es sie gibt, ist ein Happy-End eine ebenso große Seltenheit. Und dennoch hängen unsere Hoffnungen auf mehr Toleranz und Akzeptanz an diesen fiktiven Paaren; denn nichts erreicht auf einen Schlag so viele verschiedene Menschen, egal ob homosexuell oder homophob, wie das Fernsehen. Nirgendwo bietet sich uns eine bessere Plattform, um mit Vorurteilen aufzuräumen und auch einmal unsere Sicht der Dinge darzustellen.

Es könnte alles immer noch besser sein; aber ich freue mich über die TV-Pärchen weltweit. Sie transportieren neben dem üblichen Drama die einfache, aber ungemein wichtige Message an die Welt: JA, Lesben gibt es. (Und sie sehen sogar gut aus.)

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Xena!

Beim Schreiben über den Wicked-Subtext erinnerte ich mich an einen anderen, wesentlich bekannteren Subtext-Fall, den ich trotz seines Alters immer noch sehr erwähnenswert finde – den Subtext in „Xena – die Kriegerprinzessin“.


Ich habe damals, vor langer Zeit, bevor ich überhaupt irgendwie ahnte lesbisch zu sein, schon das Gefühl gehabt, dass Xena und Gabrielle sich doch sehr nah standen.
Damals lief die Sendung, wenn ich mich richtig erinnere, sonntags auf RTL, und eigentlich durfte ich das gar nicht gucken (Gewalt usw.…) aber ich habe es trotzdem irgendwie geschafft. Wenn ich jetzt zurückdenke, weiß ich noch, dass ich Gabrielle toll fand und zu gerne Xena gewesen wäre, wenn diese sie mal wieder retten durfte. Damals hatte ich ja keine Ahnung (immerhin war ich ein Kind), aber gewisse Szenen zwischen Xena und Gabrielle gaben mir ab und an ein seltsames, kribbeliges und auch leicht beschämtes Gefühl – so als würde ich da etwas Unanständiges beobachten.  Es ist lustig, wenn ich mich so erinnere und dabei feststelle, wie verdammt „gay“ ich damals schon gewesen bin; und welch doch ausgeprägten Sinn Kinder für gut verpackten Subtext haben können.

Denn, wie Subtext es nun einmal so an sich hat, wird ja nichts eindeutig ausgesprochen. Zwar laufen Xena und Gabrielle so gut wie ständig gemeinsam durch die Sendung, tauschen vielsagende Blicke und Berührungen aus – aber beide Charaktere bekommen auch wieder die ein oder andere Hetero-Affäre zugeschrieben; welche im Vergleich zu dem versteckteren, lesbischen Unterton doch ziemlich eindeutig sind.

Nichtsdestotrotz hat diese Sendung eine sehr große lesbische Fangemeinde geschaffen, da durchgehend, über 6 Staffeln verteilt, Andeutungen und Liebesbekundungen gestreut werden; außerdem wollten sowohl das Produktionsteam als auch die Darstellerinnen nicht mit Pro-Xena+Gabby Kommentaren geizen.

… bei manchen Bildern kann man doch gar nicht mehr von „Subtext“ reden, das sieht doch arg nach „Maintext“ aus!

Einige Zitate zum Subtext finden sich hier zusammengefasst: http://www.youtube.com/watch?v=TYyL5soCLnA

Und hier wird der gesamte Subtext (in englischer Sprache) von der ersten bis zur letzten Folge enthüllt: http://webspace.webring.com/people/lx/xwl/frame.html

In der Zeit von 1995-2001 bot die Sendung eine ganz neue Welt für lesbische Zuschauer und zu Recht hat sie bis heute Kultstatus. Hoffentlich gibt es mal wieder einen Re-Run dieser Serie. Ich würde es mir zu gerne nochmal ansehen…

Wicked Subtext

Als bekennender Musical-Fan erwarb ich vor ein paar Jahren die CD der Broadway-Inszenierung von „Wicked – Die Hexen von Oz“. Ohne irgendwelche Vorkenntnisse zur Story des Musicals hörte ich mal hinein – musste ja gut sein, war ja schließlich erfolgreich – und siehe da, es gefiel mir tatsächlich. Besonders, weil zwei starke Frauen im Mittelpunkt der Geschichte stehen.

…ein bisschen Werbung…

Worum geht es ganz grob: Wir befinden uns im Land Oz – bevor die ganze Sache mit Dorothy und dem Zauberer von Oz überhaupt beginnt. Wie sehen also die Vorgeschichte des Klassikers, die sich damit befasst, wer die böse, grüne Hexe des Westens (Elphaba) eigentlich war; wie sie überhaupt wicked wurde; und wie sie zu Glinda, der guten Hexe, stand.

Bereits beim blanken Hören mancher Stücke, wurde ich aufmerksam auf das intensive Verhältnis zwischen Glinda und Elphaba. Ein Textbeispiel, aus dem ersten Song der beiden „What is this feeling„:

…What is this feeling,
So sudden and new?
I felt the moment
I laid eyes on you;
My pulse is rushing;
My head is reeling;
My face is flushing;
What is this feeling?
Fervid as a flame,
Does it have a name?
… Yea….

… und man möchte schreien LOVE! Aber Nein. Am Anfang predigen beide ihre Abscheu für einander (fangen romantische Komödien nicht auch immer so an?)… Sehr verdächtig alles.

Nach etwas Internetrecherche stieß ich dann tatsächlich auf ein paar aufmerksame Menschen, die dafür plädieren, dass zwischen Elphaba und Glinda ein bisschen mehr als Freundschaft herrscht. „Gelphie“ wird dieses Pairing liebevoll genannt. Diese Deutung des Subtext entspringt nicht nur der Bühnenfassung der Geschichte, sondern um einiges mehr dem ihr zugrundeliegenden Buch „Wicked“ von Gregory Maguire. Auch dort finden sich Zeilen, die großen Interpretationsraum lassen.

… Neben Befürwortern gibt es natürlich auch genug Leute, die das Ganze überhaupt nicht sehen. Verständlicher Weise: sowohl Musical-Inszenierung als auch Buch legen Wert darauf, nichts zu eindeutig zu machen und geben beiden Charakteren Hetero-Storylines. (Wobei man durchaus mal in Frage stellen darf, wie überzeugend man das finden muss…)

Wie dem auch sei, ich möchte jetzt mal nicht alle Kleinigkeiten auflisten, die man irgendwie als Subtext bezeichnen könnte. Ich denke, das Finden und Deuten von Subtext macht sowieso am meisten Laune, wenn man es selbst macht. Aber für die besonders Skeptischen, die mir jetzt nicht glauben wollen, zwei Zitate:

Der Autor Gregory Maguire über Gelphie:
Die Frage (nach Gelphie) macht Sinn. Ich deute tatsächlich auf etwas hin, aber ich sage nicht genau, was es ist, und ich sage auch nicht, wie bekannt dies einer von beiden ist. Dafür gibt es mehrere Gründe, aber der Hauptgrund ist, dass ich nicht klar sage, ob Elphaba „wicked“ ist – und wenn sie es wäre, wo diese „wickedness“ herkommt. (…) Elphaba und Glinda könnten eine romantische Neigung zueinander haben, ohne es überhaupt jemals zu wissen. Sie müssen es nicht wissen, damit es für den Leser wahr ist oder damit es für sie wahr ist. (…)“
(Siehe: http://community.livejournal.com/gelphie_lovers/profile)

… Und die wundervolle, original „Glinda“, Kristin Chenoweth:
„(Wicked) entwickelte sich aus diesen beiden Mädchen, und dadurch wurde es ein Hit, denke ich. Die Love Story spielt zwischen diesen beiden.“
(Siehe:
http://www.playbill.com/celebritybuzz/article/107855-DIVA-TALK-Catching-Up-with-Tony-Winner-Kristin-Chenoweth-Plus-News-of-Greene-and-Errico)

… Das Schöne am Subtext ist ja, dass man es sehen kann, wenn man will (oder eben nicht, wenn man nicht will) – aber man nie eindeutige Antworten bekommt. Deswegen kann man auch ewig weiter diskutieren und nie wirklich etwas belegen. Aber es kann eben auch nichts widerlegt werden…

Babydykes in Soaps

Meistens verpasse ich lesbische Storylines in den allabendlichen Soaps und Telenovelas… Und meistens ist das auch Ok, denn oftmals enden diese Geschichten ziemlich doof. Keine Ahnung ob das hier anders wird, aber immerhin bin ich schon mal aufmerksam geworden:

Sat1 ist so lustig und sendet gleich zwei Soaps mit lesbischen Storylines – direkt hintereinander. Von 18-19 Uhr kann man jetzt das Hin- und Her zwischen jungen Mädels beobachten. Der ganze komplizierte Kram, den babydykes eben so durchmachen, von wegen „Oh Gott, ich bin doch nicht lesbisch! Oder doch? Nein! Doch; nein…“ erst bei „Hand aufs Herz“ und dann bei „Anna und die Liebe“.

Emma + Jenny; „Hand aufs Herz“ 

… Lily + Jasmin; „Anna und die Liebe“

Man wird sehen, ob es sich lohnt, für die interessanten Szenen den ganzen übrigen Teil der Sendungen zu ertragen.
Aber was tut man nicht alles für ein bisschen lesbian love. … 😉

Buchtipp: Loreley

Ich wage mich mal daran ein paar Bücher, die ich in meiner inneren Coming Out Phase gelesen habe und die mir da irgendwie auf ihre Weise geholfen haben (und wenn nicht direkt geholfen, dann haben sie mich zumindest beschäftigt), hier vorzustellen.

Ich beginne mal mit „Loreley“ von Kai Meyer. Es fiel mir 2005 zufällig in die Hände. Meine Mutter hatte es bei Amazon bestellt, weil es verbilligt mit einem anderen Buch mitkam… Das andere Buch stellte sich als extrem ätzend heraus, „Loreley“ dagegen zog mich direkt in seinen Bann.

Loreley Cover

Worum geht’s? Eigentlich um die Sage der Loreley, welche mit ihrem Gesang angeblich Schiffsleute betörte und zum Kentern brachte. Tatsächlich hat die Geschichte im Buch wenig mit der alten Erzählung gemeinsam.

Wir befinden uns im Mittelalter (und normalerweise hasse ich das Mittelalter, da könnte ich auch einiges zu schreiben… aber egal) und werden zunächst Zeugen des harten Lebens von Ailis, einem burschikosen Mädchen, das bei einem Schmied in die Lehre geht. So. Ailis ist es, die ein Mädchen, welches eingeschlossen in einem Brunnen oben auf dem Lurlinberg sitzt, findet. Und dieses Mädchen ist kein normales, es ist ein „Echo“. Ja, klingt jetzt alles mystisch und wirr –  aber das ist so zu sagen der Fantasy/Abenteuer Teil der Story. Um dieses Brunnenkind und sein grausiges Geheimnis dreht sich die eigentliche Geschichte, die alles Übel überhaupt in Gang setzt.

Wesentlich interessanter für mich allerdings: Ailis hat eine beste Freundin namens Fee, die Grafentochter. Und Ailis hängt sehr an ihr. Sie hängt so sehr an ihr, dass ich schwören könnte – … ihr könnt es euch denken. Nichts wird jemals klar ausgesprochen, aber eigentlich kann man stellenweise da nicht mal von Subtext reden, weil es so deutlich ist. Nun, wie dem auch sei – Fee fällt dem seltsamen Echo zum Opfer und Ailis zieht schließlich in die Welt hinaus, um sie zu retten.

Spätestens ab da wandelt sich das als historischer Roman geltende Buch zu einem Fantasy-Schmöker durch und durch. Wem Fantasy nicht so liegt, der wird in der zweiten Hälfte des Buches öfter mal den Kopf schütteln müssen. Mich persönlich hat dieser Dreh vom Realistischen ins Fantastische auch etwas gewundert, aber es störte nicht die Spannung, die ich beim Verfolgen der Geschichte empfand.

Es geht teilweise heftig zur Sache, aber besonders die ruhigeren Momente, wie die  Szenen zwischen Ailis und Fee, machen für mich den Reiz dieses Buches aus. Sehr einfühlsam beschreibt der Autor die Gefühlslagen seiner Protagonistinnen, sehr geschickt streut er diese Andeutungen, die mich schrecklich gefreut haben – denn es gibt ja nichts Cooleres, als unerwartet auf genau das zu stoßen, wonach man …ohne es zu wissen…  lechzt. Und naja, da Fee einen Ritter heiratet und Ailis damit in heftiges Gefühlchaos stürzt, fand ich in ihr meinen eigenen Herzschmerz wiedergespiegelt.

So. Ich habe mal im Internet rumgeschaut, und ich scheine die Einzige zu sein, die das Verhältnis Ailis-Fee für erwähnenswert hält. Seht dieses Buch also mal als Geheimtipp. Wer Lust auf ein wenig Abenteuer in mittelalterlichen Ambiente mit starker weiblichen Hauptrolle und – wenn man den Subtext richtig auslegt – großer Lovestory hat, der greife zu. Wer partout nichts Lesbisches darin erkennen mag, der kann in Loreley dennoch ein unterhaltsames Leseerlebnis finden.  🙂