Hart aber fair

Gestern gab es wieder eine interessante Sendung zu einem meiner Lieblingsthemen – Homo-Ehe etc.

Arno Frank vom Spiegel schreibt darüber folgenden Bericht, den ich ganz wunderbar finde. Kann ich nur so unterschreiben:

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http://www.spiegel.de/kultur/tv/hart-aber-fair-plasberg-talk-ueber-homosexuelle-a-870781.html

„Hart aber fair“-Talk über Homosexuelle

Es nervt

Von Arno Frank

Da setzen sich tatsächlich zwei erzkatholische Publizisten in die Talkshow von Frank Plasberg, wettern gegen den „homosexuellen Hype“ und stempeln gleichgeschlechtliche Paare als solche zweiter Klasse herab. Geht’s noch? Zum Glück griff wenigstens der sehenswert aggressive Moderator ein.

Langsam nervt’s. Wie kann man sich nur ernsthaft in eine Talkshow setzen, um dort Schwulen und Lesben die gleichen Rechte abzusprechen, die Heterosexuelle ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen? Wie kann man sich nur erdreisten, die homosexuelle zu einer Lebenspartnerschaft zweiter Klasse herabzuwürdigen? Wie kann denn 2012 noch ernsthaft darüber diskutiert werden, ob gleichgeschlechtliche Paare auch Kinder adoptieren dürfen? Wer tut sowas? Wer sind diese Leute?

Martin Lohmann und Birgit Kelle, beides erzkatholische Publizisten und CDU-Mitglieder, tun sowas und trauen sich, gegen den Strom oder, wie Lohmann sagen würde, den „homosexuellen Hype“ anzuschwimmen. Lohmann ist Chefredakteur des vatikantreuen Spartensenders K-TV, allen Ernstes „Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem“ und argumentiert entsprechend theologisch – übrigens erst, nachdem ihmPlasberg in einer sehenswert aggressiven Szene die Spickzettel förmlich entreißen musste, auf denen er sich Argumente, Zahlen und Studien notiert hatte.Ehe ist nach dem Evangelium des Lohmann da, wo Mann und Frau sind. Alles andere ist wider die – nein, nicht Schöpfung, sondern „Natur“. Für ihn ist Sexualität so „kostbar“, dass er das Wort unablässig und so lange wiederholt, bis selbst dem eingefleischtesten Atheisten dämmert, dass er damit eigentlich „heilig“ meint. Im Gegensatz zum bekanntlich billigen und „verantwortungslosen“ Aufeinanderhüpfen der Schwulen und Lesben, versteht sich. Weil da ja kein Kind bei rauskommt. „Sie haben ein Kind“, stellt Plasberg trocken fest: „Das heißt, sie haben einmal mit ihrer Frau geschlafen?“ – „Herr Plasberg, das ist eine primitive Aussage, und die weise ich zurück.“

Der Glaube des Kreuzritters Lohmann

Es ist sein Glauben, den mag man ihm nicht nehmen. Glauben ist auch etwas sehr Kostbares, wie Sex. Wer so glaubt wie Kreuzritter Lohmann, weiß aus dem persönlichen Gespräch mit Gott, was Gott will. Und wer kann das schon von sich behaupten? Birgit Kelle kann das, die ebenfalls von einem christlichen Fundament aus über Menschen urteilt, die nicht so rechtschaffen leben wie sie. Die Journalistin trägt ihre „vier kleinen Kinder“ wie eine Monstranz vor sich her und schwadroniert davon, dass „Dreiviertel aller Kinder in Deutschland“ in einer „Originalfamilie“ leben, also originalverpackt und mit der korrekten Einstellung ab Werk. Wer ohne Vater aufwächst, der wird depressiv, drogensüchtig, aggressiv. Gibt’s Studien zu. Von der schrillschwulen Politfolklore eines Christopher Street Day fühlt sie sich – ohne jedes Interesse an Ursprung und Geschichte des CSD – in ihrem wohlgeordneten Weltbild provoziert. Es sei wenig „hilfreich“, wenn Schwule und Lesben sich auf diese Weise „selbst ausgrenzen“.

Dabei hätte es in dieser Sendung gar nicht der Schwulen und Lesben bedurft, wie sie von den Unterhaltungskünstlern Ralf Morgenstern und Lucy (die von den No Angels) repräsentiert wurden. Lucy sitzt da und ist lesbisch, Morgenstern zeigt sich immerhin rechtschaffen empört bis grimmig belustigt – die natürliche Reaktion libertärer Menschen auf Reaktionäre, die keinem einzigen vernünftigen Argument zugänglich sind. Nein, es genügte vollkommen, Lohmann und Kelle zuzuhören, die ihre Ressentiments wie Auslegeware entrollten.

Irgendwo zwischen den Stühlen sitzt da noch Stefan Kaufmann. Als schwuler CDU-Abgeordneter ist er eigentlich die interessanteste Figur an diesem Abend. Auf dem Parteitag kämpft er für den Antrag, das Ehegattensplitting an die Familie zu koppeln und damit auch Homosexuellen zugänglich machen. Für das volle Adoptionsrecht für Schwule und Lesben tritt er nicht ein. Das sei, wie er zerknirscht einräumt, der CDU „noch nicht zuzumuten“.Mit dem Rücken zur Wand

„Sind Sie sicher, dass Sie in der richtigen Partei sind?“, fragt Plasberg besorgt, und nach dieser Frage verfällt Kaufmann zusehends in hamlethaftes Brüten. In seiner Zerrissenheit wirkt er wesentlich menschlicher als Leute wie Lohmann oder Kelle mit ihren fugenlos abgedichteten Überzeugungen. Beide fühlen sie sich sichtlich einsam in einer Gesellschaft, die ihre verknöcherten Tugenden und angestaubten Moralvorstellungen längst entsorgt hat. Sollte die CDU eines Tages auch mal wieder von „berufstoleranten Großstädtern“ (Plasberg) gewählt werden wollen, wird ihnen auch noch diese geistige Heimat abhanden kommen.

Es sind also Vertriebene. Es sind die Leute, die sich erdreisten und auf Angriff schalten. Weil sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Weil sie das Gefühl haben, ihnen käme etwas abhanden – wo es doch nur darum geht, anderen etwas zu geben. Aber vielleicht ist die reaktionäre Orientierung eines Menschen ja gar nicht angeboren. Vielleicht lässt sich da mit einer Therapie etwas machen. Es ist wirklich höchste Zeit. Denn langsam nervt’s.

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Berlin Tag und Nacht

Es ist Zeit euch  eine mir eher peinliche Neigung zu gestehen… Ich schaue gerne Asi-TV.

Zwar bin ich dabei im ständigen innerlichen Dialog mit mir selbst darüber, dass diese Sendungen niveaulos, unrealistisch und anders als manche Sendung proklamiert so gar nicht mitten aus dem Leben sind — aber gleichzeitig belustigen und entspannen sie mich. Ich bin mir nicht sicher, was das genau über mich aussagt, ich schäme mich auch etwas… Aber es ist wie es ist. Und dieser Neigung nachgehend bin ich an eine der wohl ärgsten Asi-Sendungen geraten… „Berlin Tag und Nacht“… und siehe da, zum ersten Mal habe ich das Gefühl, eine solche Sendung loben zu können.

Bereits seit 2011 flimmert  jeden Abend um 19 Uhr eine neue Folge über „Deutschlands coolste WG“ (wie RTL2 es nennt) über die Mattscheibe. Gezeigt werden improvisierende Laiendarsteller, die in Berlin allerlei zwischenmenschliche Dramen erleben; dem Zuschauer wird dabei möglichst vermittelt, dass alles echt und realistisch ist. Das gelingt natürlich nur bedingt… Aber  nach gewissen Startschwierigkeiten knackt die  Sendung mittlerweile ein Millionenpublikum unter den 14-49 Jährigen. Man kann die Sendung beinahe kultig nennen; und so gibt es bald noch einen Ableger aus Köln. Es handelt sich hier also um die wohl populärste Nicht-Casting- und Nicht-Kuppelshow Asi-Sendung Deutschlands.

Warum aber möchte ich mittlelprächtige bis schlechte  Schauspielerei und abgedreht geskriptete Geschichten im billig TV-Format loben? Nun, Berlin Tag und Nacht ist zwar all dies; aber dazu unterstützt die Sendung Offenheit und Toleranz im vorbildlichen Sinne; was ich angesichts der hohen Einschaltquoten sehr erfreulich finde. Gerade wir Lesben kommen derzeit voll auf unsere Kosten.

Momentan haben wir gleich zwei Storylines, die unsere Probleme aufgreifen und behandeln. Auf der einen Seite haben wir das Geschwisterpaar Alina und Vanessa, die zufälliger Weise beide auf Frauen stehen, und ihrer Mutter damit völlig vor den Kopf stoßen. Diese kommt damit nämlich gar nicht klar, hat diverse Umpol-Versuche schon hinter sich und greift nun zur Flasche. Oberdramatisch alles; natürlich; aber im Grunde geht es hier um die typischsten Probleme: Die Schwierigkeit, sich seine Neigung erst einmal selbst einzugestehen; dann die Frage, wie man damit umgehen soll; und dann die Konfrontation mit anders denkenden Menschen.

In der Teenie-WG der Sendung haben wir dagegen noch einen anderen Fall. Dort ist Andi (hier ganz links) vor einigen Wochen eingezogen und spielte bislang eine unscheinbare Rolle. Komisch wurde es nur, als nebenbei erwähnt wurde, dass Andi nie seinen  Personalausweis zeigt, sich nach dem Fußball nicht mit den Jungs umziehen wollte und eine potenzielle Freundin bevor etwas lief in den Wind geschossen hat —- und diese Woche ist dann die Bombe geplatzt: Andi heißt eigentlich Andrea und ist ein Mädchen. Wie wird die WG damit umgehen?!

Ok, das sind die abgefahrenen Geschichten. Was mich daran freut ist, dass diese Sendung ein großes Publikum erreicht und gerade in Schichten, die vielleicht ein eher kleines Weltbild haben, viele junge Menschen findet. Diese bekommen Probleme wie Homosexualität, die sie sicher im realen Leben weit umgehen würden,  für sie nachvollziehbar mit allen Problemen aufgezeigt. Man kommt gar nicht darum herum, sich mit den Figuren zu identifizieren. Nicht von ungefähr haben auch seriöse Kampagnen wie die der „Ich will Europa“ Initiative nun die Figuren der Sendung für sich entdeckt.

Die Zuschauer finden die Charaktere cool, gerade weil sie keine feinen, perfekten Leute darstellen sondern fast ausschließlich solche aus den unteren Schichten; mit mittelmäßigen Bildungsniveau, mit Jobs wie Barmann, Verkäuferin und auch die Stripper dürfen nicht fehlen…; mit Beziehungs-, Geld und Drogenproblemen — Das finden junge Leute spannend! Sie leiden und freuen sich mit den Figuren und verfolgen die Geschehnisse noch über die Sendezeit hinaus auf einem fleißig geführten Facebookprofil weiter. Das ist einfach wahnsinnig geschickt gemacht von RTL2.

Ich möchte in diesem Beitrag gewiss keine Werbung für diese Sendung machen; aber ich möchte wohl darauf hinweisen, dass nicht alles, was niveaulos aussieht, auch wertlos ist. 😉

Aufreger; mal wieder.

Immer wieder unfassbar, wie vermeintlich gebildete Menschen so dumm sein können. Dumm, auf eine andere Art und Weise. Eine Dummheit viel schlimmer als die, die durch blankes Unwissen entsteht. Es ist eine soziale Dummheit.

Schaut euch mal Maybrit Illner vom 30.08. an: „Zwei Männer und ein Baby – gleiches Recht für Homo-Ehe?“

Oder lest diesen Artikel: http://www.welt.de/fernsehen/article108883614/Schwulen-Veteran-trifft-lustige-Katholikin.html

Ein Hoch auf Herrn Beck.

Ganz viel Vertrauen in die Menschheit entwickel ich auch, wenn ich die Kommentare darunter lese. Hier:

Wenn man ein Kind von Homosexuellen erziehen läßt, wird es zwangsweise 
mit dem Thema Homosexualität konfrontiert. Das Kind wird mit Sicherheit 
in der Schule deswegen gehänselt und fragt sich selber warum die anderen
Kinder Mutter und Vater haben und sie 2 Männer oder 2 Frauen. Mit 
diesem Thema ist ein Kind völlig überfordert.

Deshalb halte ich das Erziehungsrecht für homosexuelle Paare für eine 
Art des Kindesmißbrauches. Der erwachsene schwule Mann hat die 
Möglichkeit der Wahl – will ich meine Homosexualität ausleben – ja oder 
nein. Das Kind wird nicht gefragt und mit dieser Situation einfach 
konkrontiert. Das ist zutiefst ungerecht.

Homosexuelle wollen auf Teufel komm raus „gleichgestellt“ werden und benutzen dafür auch noch wehrlose Kinder. Widerlicher und 
rücksichtsloser geht es gar nicht mehr...“

Ich finde widerlich und rücksichtslos wie manche Menschen es als völlig richtig betrachten, wenn Menschen wegen was auch immer, sei es Homosexualität oder Nationalität oder was auch immer, NICHT gleichgestellt werden, und die Argumente dafür auch noch so haltlos sind –
Ich gehe jede Wette ein – die Anzahl leidender, missbrauchter Kinder, die aus den ach so normalen heterosexuellen Beziehungen entstehen und dann dort in kaputten Verhältnissen aufwachsen, wird IMMER größer sein, als die der vielleicht gehänselten Kinder, die als Adoptivkind in einer homosexuellen Partnerschaft aufwachsen. Nur weil die einen sich nach belieben fortpflanzen können, heißt das doch noch lange nicht, dass es jedem Kind dort besser geht!

Soziale Dummheit. Besorgnis erregend.

Danke Jemma

Vorbei! Die letzte Folge von „Hand aufs Herz“ ist gelaufen und die Welt muss sich von ihrem geliebten, lesbischen TV-Pärchen Jemma verabschieden.

Zum Schluss bekamen die Zuschauer noch einmal alles geboten, was eine große Liebesgeschichte so braucht… Drogenprobleme, dramatische Flughafenszene und Tod. In rasanter Geschwindigkeit wurden diese Themen noch eben abgehandelt, bevor das große Finale steigen konnte – in welchem alle Serienpärchen ihr zuckersüßes Happy End fanden. Natürlich.

Nichtsdestotrotz – wie schade, dass es nun vorbei ist. Denn hier hat Sat1 einen Nerv getroffen, zumindest was eben jenes lesbische Pärchen angeht… Die positive Resonanz war erstaunlich und somit blieb die Storyline auch bis zum Ende; sie wurde nicht zerstört wie die meisten anderen Geschichten, die wir sonst so gesehen haben. Kein Mann dazwischen. Kein Feuertod. Hat trotzdem funktioniert.

 

                      

(Wirkliche schöne Bilder hier: http://brennooth.tumblr.com/)

Am Ende bleibt ein vereintes, glückliches Pärchen und wir Zuschauer wissen, dass es in der „Hand aufs Herz-Welt“ für immer so bleiben wird. Glücklich bis ans Ende aller Tage.

Also, Hand auf Herz, unsereins bekommt nicht allzu oft eine gesüßte und gelingende lesbische Romanze geboten. Schön, dass es Jenny+Emma gab, die sich nun in die ehrenvollen Reihen der besten lesbischen TV-Pärchen einfügen dürfen.
Für immer. 😉

Lesben lieben Shipping

Ein großes Anliegen der Homosexuellen weltweit ist Sichtbarkeit. Der Norm entsprechend finden wir uns alle ständig in einem sehr heterosexualisierten Alltag wieder, in dem sich so mancher, wie ich zum Beispiel, ab und zu fragen möchte, ob es sowas wie Lesben überhaupt gibt… ?
Manchmal ist es schwierig festzustellen – aber JA, Lesben gibt es. Vielleicht nicht direkt in der Nachbarschaft; vielleicht auch nicht am Arbeitsplatz oder gar im Freundeskreis; man weiß es nie so genau… aber zumindest im Fernsehen – da gibt es sie!

Und das ist wunderbar. Gerade die homosexuelle Community erweist sich immer wieder als sehr dankbar für jedes schwul/lesbische TV-Pärchen. Jedes Mal entstehen gleich ganze Shipper-Gruppen, die mit ihrem ganzen Herzblut für ein Pärchen fighten und damit einen wichtigen Beitrag zum Thema Sichtbarkeit leisten.

Was ist Shipping? Das alleswissende Wikipedia sagt dazu: „Shipper (von eng. relationship abgeleitet, dt. Beziehung) sind Menschen, die sich emotional engagieren, während sie die Entwicklung von Liebesbeziehungen in einem Roman, einer Fernsehserie oder einer sonstigen fiktiven Erzählung verfolgen. Dabei können eigene Vorstellungen über den weiteren Verlauf dieser Beziehungen entstehen.(…) Das „Shipping“ beschränkt sich hierbei nicht nur auf heterosexuelle Beziehungen. Im Gegenteil, homosexuelle Paare erfreuen sich unter Fans manchmal sogar noch größerer Beliebtheit.“

„Hand aufs Herz“-Pärchen „Jemma“ ist mittlerweile in der lesbischen Community angekommen wie Franzi+Paula vor ein paar Jahren vielleicht. Auch damals schwappte einem lesbischen TV-Pärchen eine dicke Sympathiewelle entgegen, die so weit reichte, dass selbst Leute im Ausland Notiz davon nahmen.


Nicht ohne Grund befindet sich auf der offiziellen „Hand aufs Herz“-Homepage bereits ein Video, in dem extra alle Jemma-Szenen zusammengeschnitten worden sind. Dies ist ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass der Sender Sat1 und die Macher von HaHe wahrgenommen haben, dass ihre lesbische Storyline eine beträchtliche Gruppe Menschen erreicht.

In Amerika gibt es zurzeit ein ähnliches Phänomen. In der Serie „Glee“ schaut alles auf die Entwicklung zwischen Brittany und Santana.


Die beiden Freundinnen führen eine nicht-halbe-und-nicht-ganze Beziehung miteinander und wir Zuschauer können genüsslich dabei zusehen, wie es immer ernster wird. An der Figur Santana wird die Schwierigkeit des inneren Coming Outs anschaulich dargestellt, was ich absolut super finde, denn gerade da hat es auch bei mir gehakt. Desweiteren wird sich im Abhandeln der Geschichte angenehm viel Zeit gelassen.

Lange beruhte die vage Hoffnung, „Brittana“ könnte zu einem lesbischen Pairing führen, nur auf Subtext-Momenten… aber mittlerweile darf man sich berechtigte Hoffnung machen, dass aus den beiden was Festes wird.
Und wem haben wir das zu verdanken? Den treuen Shippern! Auszug aus einem Interview von Vanity Fair mit Schauspielerin Naya Rivera, Santana aus Glee:

Vanity Fair: „Als ich mit Heather Morris (Brittany) zum ersten Mal letztes Jahr sprach, sagte sie eure On-Screen-Beziehung würde mehr in die Richtung „Best Friends Forever“ als „Friends With Benefits“ gehen. Wir alle wissen, dass die Show nicht für ihre interne Beständigkeit bekannt ist, aber – was hat sich verändert und wie?“
Naya Rivera: „Ich denke, das kam, weil die Autoren so ein starkes Verlangen der Fans – der Brittany und Santana Fans – nach einem Zusammenkommen der beiden wahrnahmen. Anfangs nahmen wir es eher leicht. Aber dann dachten wir, das ist etwas, was die Leute wirklich von uns wollen; das ist etwas, das wir angehen sollten. Und so kam eines Tages (head writer) Brad Falchuk auf mich zu und meinte ‚Wir haben beschlossen, diese Storyline zu erkunden‘ und ich war absolut dafür und wusste, die Leute würden es anerkennen.“

Und wie wir das anerkennen. Hierzulande strahlt SuperRTL Glee montags um 20.15 Uhr aus.

Ebenfalls erwähnenswert und schon etwas länger dabei – Callie und Arizona bei „Grey‘s Anatomy“, zu sehen bei ProSieben. Anhand von „Calzona“ werden sogar die schwierigsten homosexuellen Themen ergründet: Kinder und Ehe. Da dieses Pärchen schon so einiges hat durchstehen müssen und Teil einer der erfolgreichsten Prime Time Serien ist, haben sie einen Haufen Fans…
… http://callie-arizona.livejournal.com/profile
 http://www.fanpop.com/spots/callie-and-arizona
…  http://www.facebook.com/pages/Callie-and-Arizona-Calzona/156744441442

Warum Lesben Shipping so lieben ist leicht erklärt. Lesbische TV-Pärchen sind immer noch eine Seltenheit. Und wenn es sie gibt, ist ein Happy-End eine ebenso große Seltenheit. Und dennoch hängen unsere Hoffnungen auf mehr Toleranz und Akzeptanz an diesen fiktiven Paaren; denn nichts erreicht auf einen Schlag so viele verschiedene Menschen, egal ob homosexuell oder homophob, wie das Fernsehen. Nirgendwo bietet sich uns eine bessere Plattform, um mit Vorurteilen aufzuräumen und auch einmal unsere Sicht der Dinge darzustellen.

Es könnte alles immer noch besser sein; aber ich freue mich über die TV-Pärchen weltweit. Sie transportieren neben dem üblichen Drama die einfache, aber ungemein wichtige Message an die Welt: JA, Lesben gibt es. (Und sie sehen sogar gut aus.)

Das DSDS-Problem

Pietro Lombardi ist seit letzter Nacht Deutschlands 8. „Superstar“ und gleichzeitig der 7. männliche Gewinner dieser Casting-Reihe. Für Frauen scheint es mittlerweile unmöglich, sich in diesem Wettbewerb durchzusetzen. Ein Problem, das vieles über unsere Gesellschaft, oder zumindest einen großen Teil von ihr, aussagt. Warum haben Frauen es so schwer?

Festzustellen ist, dass die weiblichen Kandidatinnen dieser und der letzten DSDS-Staffeln qualitativ nicht wirklich schlechter waren, als ihre männlichen Konkurrenten. Und dennoch unterlag jede von ihnen, egal wie gut sie sang, tanzte und aussah, am Ende einem Mann. Die einzige Ausnahme gab es 2004 mit Elli Erl. Eine Kandidatin, wie sie heute kaum noch vorstellbar im Format DSDS ist.
Elli sang Rocksongs, trug keine kurzen Kleidchen, hatte kurze Haare – im Grunde war sie das krasse Kontrastprogramm zu allen weiblichen Teilnehmerinnen, die ihr folgen sollten. Tatsächlich hatten alle Mädels, die es seither bei DSDS recht weit gebracht haben, eines gemeinsam: sie waren ganz gut – und absolut austauschbar.

Die höchstplatzierten Frauen der DSDS-Geschichte:

Die aufgezeigten Frauen, mit Ausnahme von Siegerin Elli Erl, waren alle mehr und minder stimmgewaltig, gut aussehend und sehr professionell – aber auch langweilig. Alle funktionierten über dasselbe Muster und unterlagen oft sehr deutlich den verschiedensten Typen Mann: Schwiegermutter-Typen (wie Alexander Klaws, Daniel Schuhmacher), Rockern (Tobias Regner, Thomas Godoj) oder … naja, Verrückten (Mark Medlock, Pietro Lombardi).

Solche „Typen“ sind an den DSDS-Kandidatinnen kaum festzustellen; sie kommen farblos daher, sind oftmals (wie allerdings auch ihre männlichen Kollegen) nicht die Hellsten und vermögen es nicht, die junge Zielgruppe auf ihre Seite zu ziehen. Seit Elli Erl war nicht eine Frau dabei, die herausstach. Nicht eine, die das gewisse Etwas hatte.

Zumeist fielen DSDS Kandidatinnen höchstens durch ihren mehr oder minder ausgeprägten Zicken-Faktor auf. Dieser wurde gerade in der abgelaufenen Staffel von RTL gerne betont und ausgekostet – schließlich will man die Show irgendwie interessant halten, gern auch auf Kosten der Kandidatinnen. Das Bild der jungen Frauen, das dabei entsteht und Millionen anderen jungen Mädchen gezeigt wird, sollte zu denken geben. Püppchen, Tussis, Zicken… zumindest meint der Zuschauer das. Man schaue nur auf die gerade abgelaufene Staffel:

Sarah Engels machte keinen Hehl daraus, dass sie sich selbst gut als den neuen Superstar vorstellen könnte und ohne Rücksicht auf Verluste für sich kämpfen wolle. Prompt flog sie in der ersten Mottoshow; trotz optimaler Gesangsleistung gar von Buhrufen begleitet. Eine zu selbstbewusste Eigendarstellung führt bei Frauen zum Verlieren. Man mag sie lieber devot.
Egozentrisch auftretende Männer hatten seit jeher weniger Probleme bei DSDS. Man denke nur an Selbstdarsteller wie den „Checker“ oder Menowin Fröhlich oder Jury-Boss Bohlen: die Zuschauer honorieren männliches Platzhirschverhalten, während derart auftretende Frauen einen Zicken-Stempel und fiese Schlagzeilen bekommen.

Sarah Engels hatte das Glück, zurückkommen zu dürfen und dann durch das konstruierte Image des demütig gewordenen Mädchens immerhin bis ins Finale vorzudringen. Zum Siegen reichte es natürlich nicht. Und ich glaube, das liegt nicht bloß daran, dass die vorwiegend anrufenden Mädchen mehr für Männer abstimmen. Nach 8 Staffeln und 7 männlichen Siegern glaube ich eher, dass es an RTL liegt. DSDS zelebriert seit Jahren ein Frauenbild, das man einfach nicht zum Superstar wählen möchte!

Junge Mädchen wollen weder dümmliche Tüsschen, noch fiese Zicken zu ihrem Vorbild machen. Ebenso wirkt plötzlich perfekt angepasstes Verhalten einer Sarah Engels nicht authentisch. Dann wählt man eben lieber den dümmlichen, aber echten Pietro.
Man kann sie finden wie man will, doch die ebenfalls gecastete Lena Meyer-Landrut ist im Vergleich zu den DSDS-Kandidatinnen ein wahrlich erfrischendes Beispiel dafür, welcher Typ Mädchen heute gefragt ist und das Zeug zum Siegen hat. Ich weiß nicht, ob sich einfach keine derartigen Frauen für DSDS bewerben, oder ob RTL sie bewusst aussortiert – in jedem Fall ist es ermüdend mit anzusehen, was eine weitreichende Samstagabendsendung den jungen Menschen von heute als vermeintliche Identifikationsfiguren vor die Nase setzt. Schade sowohl für die Frauen, die am Fernseher zuschauen, als auch für die, die bei DSDS antreten.

Man könnte sagen „OK, doof, aber DSDS ist eh ziemlich belangloser Unterhaltungsmüll“. Ja, stimmt. Allerdings zeigt sich hier etwas, das eben leider nicht nur ein DSDS-Problem ist: Frauen unterliegen Männern sobald es um die ganz großen Jobs geht; und gleichzeitig gönnen sie sich untereinander nichts.

Millionen Menschen schauen dabei zu… und stellen nichts in Frage.