Was ich einmal sagen muss…

Mir ist aufgefallen, dass ich hier fast ausschließlich über Probleme schreibe, die ich als Lesbe sehe und erfahre. Tatsächlich beschäftigen mich schwierige Themen vom Kopf her stärker als die Dinge, die  einfach sind – und somit finde ich dafür eher Muße um drüber zu schreiben, als über die schönen Dingen…  So blöd das in der Essenz auch ist.
Nun möchte ich den Platz endlich einmal nutzen, um eine schöne Geschichte zu erzählen. Denn auch solche gibt es in einem lesbischen Leben.

Wie ich berichtet habe, habe ich in den vergangenen Monaten in die Szene in und um meine Stadt herum reingeschaut. Es war holprig, es war nicht von Anfang an glücklich, aber wenn ich jetzt drauf zurückschaue, denke ich (neben aller Kritik, die ich ehrlicher Weise immer noch daran anzubringen habe): Wie gut, dass ich das gemacht habe!

Hätte man mir das im letzten Sommer schon gesagt, ich hätte arge Zweifel gehabt, aber jetzt kann ich sogar behaupten: Wie gut, dass die schmerzhafte Trennung  von meiner ersten Freundin im letzten Jahr mich dazu gezwungen hat, in die Welt rauszugehen und neu zu starten.

So verloren ich mir am Anfang auch vorkam, nun entpuppt sich die Irrfahrt als rechter Weg und alles Leid, das mir währendessen widerfahren ist, wir aufgewogen durch — Glück. 🙂

Ich habe damals schon, an meinem ersten Abend auf einer Homoparty, eine junge Frau kennengelernt, die für mich unendlich wichtig werden sollte – nur habe ich es damals nicht ahnen können. Ihre ersten halb an mich gerichteten Worte waren: „Seid ihr auf Brautschau?!“ Es war so peinlich. Sie war so etabliert in diesen Kreisen, ich war so neu und naiv. Zwei Partys später wurde es gar noch peinlicher, als ich dann vollkommen offensichtlich machte, auf Brautschau zu sein, und sie so plump angrub, wie ich es mir selbst nicht zugetraut hätte. Wir wurden Bekannte, wir gingen mal zusammen weg – und ich verliebte mich.

Heute sind wir zusammen, unglaublich bei diesem seltsamen Anfang, und ich kann nur lächeln und staunen.
Staunen darüber, wo ich war und wo ich bin. Staunen darüber, dass ich mit ihr nun zu diesen Partys gehe und ich gar keine Komplexe mehr dabei empfinde; dass sie mir ihre ganzen homo- und heterosexuellen Freunde vorstellt und umgekehrt; dass ich sie sogar meiner Oma vorgestellt habe, was für mich so lange als undenkbar galt; dass wir auf einem CSD waren (war ich nämlich auch noch nie vorher!) und dass alles so fantastisch ist.

Klingt etwas kitschig. Klingt nach dem Happy End einer Schmonzette! Doch das ist es nicht – denn die Geschichte geht weiter. Und ich weiß, und ich hoffe, dass da noch Einiges kommen wird. Ich habe ja erfahren, dass alles ein stetiger Kreislauf ist, ein Auf und Ab, mal Licht und mal Schatten —

Doch für diesen Moment möchte ich einfach festhalten:

Ich bin glücklich.

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Ein lesbisches Leben…

So. Seit ungefähr 4 Jahren lebe ich jetzt meine lesbische Sexualität aus. Ich habe Freunde und Familie eingeweiht. Bin feste Beziehungen eingegangen. War in lesbischen Kontaktbörsen angemeldet und besuche regelmäßig Homopartys. Ich glaube, man kann sagen, ich führe ein lesbisches Leben.

Oder?

Naja! Schon. Aber kontrolliert. Sichtbar ist dies nur für einen gewissen Kreis. Was ich bewusst so handhabe, denn mir ist es lieber, ich behalte die Zügel in der Hand darüber, wer davon weiß und wer nicht. Man sieht es mir nicht an. Ich binde es niemandem auf die Nase. Ich gebe auch nicht auf meinem Facebook-Profil an, vergeben zu sein. Provoziere also keinerlei Nachfragen. So kann ich einen völlig normalen Alltag leben; ohne Blicke, ohne Fragen, ohne Getuschel, oder auch solches, das ich mir bloß einbilde.

Aber dieses ausgewogen angepasste lesbische Leben bringt mich auch immer wieder in Situationen, in denen ich hadere. Die jüngste Geschichte ist folgende –

Mein jüngerer Bruder spielt Fußball. Sein Trainer ist so alt wie ich – und flirtet mich an. Schreibt mir Nachrichten, will mich auf nen Drink einladen, bittet mich ins Trainingslager mitzufahren. Ich lächel. Und sage Nein.

Funktioniert; aber nur in Maßen. Ich erhalte weiter Nachrichten, und das freut einen ja auch irgendwie, aber ist auch gleichzeitig unangenehm. Meine Freundin meint, ich sollte einfach sagen ich sei vergeben — ja. Aber wenn dann nachgefragt wird? Wenn diese Information dann an andere weitergeht? Ich kann mir wenig schlimmeres für meinen kleinen Bruder vorstellen, als in seinem Verein als „der mit der lesbischen Schwester“ zu gelten.

Das sind diese kleinen Konflikte, die mein Alltag mit sich bringt. Konflikte, wie sie viele Lesben kennen. Ich könnte sie ausräumen, indem ich einfach Tacheles rede. Doch etwas hält mich zurück.

Ich frage mich, ob solche Lesben, die einfach als solche zu erkennen sind, überhaupt diese Probleme haben? Wäre ich jetzt ganz klischeemäßig unterwegs, mit kurzen Haaren und weiten Klamotten und Regenbogenflagge auf dem Shirt — ich glaube nicht, dass mich der Typ dann überhaupt angesprochen hätte. Klar, ich würde wohl nie in der Realität so rumlaufen, wer tut das schon, aber das Problem wäre – wahrscheinlich – keines mehr.

Was ich damit meine ist… Wäre ich selbstverständlich lesbisch, so würde meine Umwelt auch viel selbstverständlicher hinnehmen, dass ich es bin. Ich glaube fast, dass ich dadurch, dass ich mich nicht offen zu erkennen gebe und den Leuten keinerlei Anhaltspunkte liefere, mich noch stärker meinen eigenen Komplexen aussetze. Außerhalb meines kontrollierten, eingeweihten Kreises, trage ich immer noch eine grundlegende Angst davor „enttarnt“ zu werden in mir.

Ist doch blöd, oder?!

Ich weiß es nicht. Wenn ich selbst bestimmen möchte, wer es weiß und wer nicht, dann muss ich damit leben und solche Szenen wie mit dem Typen einfach aussitzen. Der hört schon noch auf. Aber sowas und ähnliches kann und wird immer wieder passieren und ich weiß nicht, ob ich mir das für mein Leben so vorstelle.

Schwer sich auszumalen, wie ich eines Tages mein eigenes Kind in einen Fußballverein stecken möchte, ohne zu riskieren, dass unsere Familienverhältnisse irgendwie rauskommen. Und überhaupt. Hm…

Ich weiß einfach: Meine jetzige Handhabung kann nicht die Lösung sein.

Fiese Frauen

Oder besser gesagt – Lesben?
Sie sind schon eine besondere, schwierige Spezies. Ich weiß nicht, wie es den Männern mit Heterofrauen da draußen geht aber… Lesbische Frauen können ganz schön fies werden.

Im letzten Jahr bin ich ganze 4 Mal von auf Frauen stehende Frauen ziemlich plumb angeätzt, beschimpft und genervt worden. Hinterrücks oder geradeheraus, war alles dabei, und jedes Mal war es wahnsinnig lächerlich. Weil ich diese Frauen kaum kannte. Weil wir in keinem Verhältnis zueinander standen – aber gut, vielleicht war auch genau das der Grund.

Jedenfalls werde ich in der Regel seltenst angepöbelt. Eigentlich nie. Da ich ein friedliebender, ruhiger Mensch bin; und lieber den Weg der versöhnlichen Aussprache suche. Um so perplexer macht es mich zu sehen, wie dunnhäutig und dann auch noch niveaulos diese Frauen agierten. Ein Betragen an den Tag legten, dass ich überhaupt nicht kannte.

Im Herbst letzten Jahres hatte ich eine gebildete, relativ hübsche, ehrgeizige junge Frau kennengelernt. Wir trafen uns ein paar Mal. Wir führten ganz nette Gespräche. Dennoch merkte ich relativ schnell, dass das niemals weitergehen könnte.  Etwas in ihrer Art misfiel mir; sie wirkte affektiert. Meine Sensoren witterten schon Gefahr. Ich sagte ihr, dass ich freundschaftlich bleiben möchte. Und sie meinte – „Oh ja, ich wollte dir eh noch erzählen, wen ich da gestern kennengelernt habe!“ Ach? Das war schon komisch.
Wir blieben eine Woche „befreundet“, wobei mir schon auf den Zeiger ging, wie sie meinte mir nur noch erzählen zu müssen wie wunderbar Miss Perfect war, die sie ja… angeblich… kennengelernt hatte. Und tja, als mir dann einfiel, dass ich ja auch noch jemand Nettes kannte — da ging es dann ab. Was hab ich mich erschrocken. „Das mit dir hab ich eh nie ernst gemeint! Wer will dich schon! Ich habe die Perfekte gefunden und du wirst immer Nieten ziehen, denn du bist selbst eine! Du kriegst nie eine! Du… Opfer!“  Dieses Niveau eben. Von einer Studentin, die in die Politik gehen will. Sie hat gar nicht mehr aufgehört; ich habe es dann unterbunden. Alle Nummern etc. gelöscht und alles blockiert, was ging…

Aber meine Güte. Manche Menschen verbergen richtige Psychopathen hinter ihrer Maske!

Naja gut das war vor ein paar Monaten. Jüngst wurde ich aber wieder aus lesbischen Kreisen als „Schlampe“ angepöbelt. Nun, ich kann ganz realistisch behaupten, dass dieses Wort nicht auf mich passen mag. Vermutlich wählte diese Frau auch diesen unpassenden Ausdruck, weil sie mich eben überhaupt nicht kennt. Oder aber es entfuhr ihr aus Eifersucht; wie auch immer dem sei — was soll das denn? „Komm mir nicht unter die Augen, sonst vergesse ich mich!“, schrieb diese Frau noch meiner Freundin. Soll das eine Drohung sein?

Letztens wollte ich eine heterosexuelle Freundin mit auf eine Lesbenparty nehmen, doch sie meinte – „Da wird sich doch immer geprügelt.“ Ist das so bekannt? Mir war das nicht so klar. Bis auf Mittelfinger zeigen, Schubsen und Bier über den Kopf schütten … hab ich noch nichts gesehen…
Aber der Eindruck verfestigt sich – Frauen, Lesben; können fies sein. Und richtig proletenhaftes Verhalten an den Tag legen.

Und jetzt frage ich mich: Ist das etwas feminines, oder ist es etwas lesbisches? Ist es vielleicht die Boshaftigkeit, die exklusiv auf dem Balz- und Verkupplungsmarkt auftritt und mich deswegen in seiner lesbischen Form erreicht? Vielleicht ist es auch ein Mix aus allem.
Dennoch vermute ich langsam, dass in der lesbischen Szene einige kaputte Geschöpfe rumlaufen; und man, wahrscheinlich weil die Szene eben so klein ist, um so größere Chancen hat auf solche zu treffen.

Ich lebe noch

Liebe, liebe Freunde… Entschuldigt.

Ich war in den letzten Monaten ziemlich blockiert von den Veränderungen die sich in mir und um mich abgespielt haben. Mir fiel partout nichts ein worüber ich hätte schreiben wollen, können – obwohl ich immer noch immer wieder neue Erfahrungen mache. Einige bescheuerte Erfahrungen sind auch dabei.

Ich habe mich seit Oktober ganz stark damit befasst, in die Szene meiner Stadt einzutauchen und war zunächst berauscht davon so viele neue, gleichgesinnte Frauen kennenzulernen. Zugleich habe ich aber auch festgestellt, wie seltsam dieses… Szene-Dasein ist und frage mich mittlerweile – will ich da überhaupt zugehören?

Neben der unleugbar schönen Erfahrung Gleichgesinnte zu finden muss man auch sehen – Szenemädels sind schwierig. Lacht man sich eine an, zieht diese eine ganze Kette anderer hinter sich her. Alle kennen sich über irgendwen; alle tragen Ihre Päckchen mit sich herum und alle meinen so viel über die Andere zu wissen. Es ist – interessant. Aber.  Schwierig!

Fasziniert stelle ich also fest, wie eng alles miteinander verwoben ist und dass das, was mich einerseits aufbaut,  mich andererseits auch wieder abschreckt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich anscheinend an eine Clique Mädchen geraten bin, die besonders schwierig ist? Nein. Ich glaube mittlerweile …alle Cliquen sind so. Und die Frauen, die ich kenne, die nicht in der Szene unterwegs sind, klagen vielleicht darüber, keine anderen Lesben kennenzulernen – aber ich muss ihnen sagen, dass Ihnen einiges an Ärger erspart bleibt.

Allen, die vorhaben, mehr in die Szene einzutauchen, möchte ich sagen: Nur zu. Ich denke immer noch, dass es der richtige Weg für mich war und ist. Denn durch den vermehrten Umgang mit Gleichgesinnten stellt sich auch im eigenen Gefühl ein höheres Maß an Normalität ein. Ich bin viel, viel lockerer geworden, was das Sich-zu-sich-bekennen angeht! Ich!
Aber – die Szene verspricht kein Heil. Und wenn man jemanden Besonderes abseits dieser Kreise findet, ist das vielleicht die glücklichere, weniger belastete Variante…

In jedem Fall – werde ich mich bemühen wieder öfter zu posten. 🙂 ❤

Zum Ende des Jahres

Entschuldigt diese Unregelmäßigkeit der Posts. Ich habe mich selbst gefragt, ob ich so wenig zu erzählen habe, dass ich absolut nichts schreiben könnte… Die Antwort ist Nein, eigentlich habe ich genug zu erzählen – doch es fehlt mir momentan an den richtigen Worten.

Zum Abschluss des Jahres fühle ich, dass es ein krasses Jahr war. In meinem lesbischen Leben wurden viele Schritte gemacht – und nicht jeder ging nach vorne – und von all den Eindrücken wurde ich ganz wirr. Was dazu führte, dass mir nun die Worte fehlen. Ich meine damit, dass sich einiges geändert hat und ich einige vorgefertigte Meinungen verloren habe und nun einen neuen Standpunkt einnehme.
Nein, ich bin nicht bi oder hetero geworden.
Aber ich habe den Eindruck, das Babydyke-Dasein legt sich langsam ab und etwas neues entsteht.

Ich bin sehr gespannt auf das kommende Jahr und darauf… wie es weiter geht. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch!!!

Der Radar

Bei meinen Ausflügen in die lesbische Szene, auf der Suche nach Gleichgesinnten und neuem Anschluss, habe ich jetzt so manches gesehen, so manche gesprochen und so einiges gedacht. Stand ich anfangs noch fasziniert daneben und staunte über die „vielen“ anderen Lesben in meiner direkten Umgebung, so sehe ich das Schaulaufen (denn nichts anderes ist es) mittlerweile etwas nüchterner.

Die grundlegende Erkenntnis ist keine neue – die Szene ist klein! Und das sage ich, die in nächster Umgebung mindestens 4 große Städte hat, die viele Angebote für Homosexuelle haben und regelmäßig mehr oder minder große Partys bieten. Ist man aber erst einmal tiefer in diese Sphären vorgedrungen und hat sich wirklich umgesehen – so stellt man fest, dass hier eigentlich jeder jeden kennt. „Die, die dort unterwegs sind und da ihre Frauen abschleppen, betreiben doch alle irgendwie Inzest“, sagte kürzlich eine zu mir, die ihre wilden Jahre bereits hinter sich gebracht hat und die Partyszene heute meidet.

So extrem das auch klingen mag – irgendwie hat sie recht!
Neulich war ich mit einem Mädchen unterwegs, das wirklich gut in der lesbischen Partyszene verankert ist; sie ist selbst Teil der organisierenden Gruppe hinter diesen Veranstaltungen und dementsprechend bekannt. Mit ihr auf so eine Party gehen, läuft dann so ab: „Das ist übrigens meine Ex, ach, und das da vorne ist ihre Ex – und das dort ist die Ex von der Ex von der Ex der….“ So ungefähr. Wenn man dann wie sie gerade eine Trennung hinter sich hat und auf all diese Exs stößt – dann werden diese Partys ein ziemlicher Höllentrip; so meine Beobachtungen. Besagte Dame möchte nun auch erst mal nicht mehr zu diesen Partys gehen.

Aber – wenn nicht dort, wo lernt man dann andere Lesben kennen? Im Internet etwa?
Find ich ganz schrecklich. Da kommt SELTENST was Gutes bei rum. Neben den vielen, die nur ein Abenteuer suchen, findet man dort auch einfach viel Unpassendes. Im Netz tendiert man dazu Ewigkeiten mit Frauen zu schreiben, bei denen nach einer einzigen Begegnung im realen Leben schnell klar gewesen wäre, dass sie nie als Partnerin in Frage kämen. Zwar ist das Internet der vielleicht schnellste Weg um Frauen kennenzulernen – aber man muss damit rechnen, dass man in der Regel erst 15 Blöde und erst dann eine halbwegs Nette kennenlernt. Mühsames, frustrierendes Unterfangen.

Die, die mir das mit dem Inzest erzählt hat, meinte, sie habe nie ein Problem gehabt, Frauen kennenzulernen. Sie hätte einfach den „Radar“. „Wenn man sich so anschaut, miteinander redet, da springt einfach etwas über.“ So hätte sie auch schon sich als heterosexuell definierende Frauen schwach gemacht; alles gar kein Problem.
Das klingt ja echt cool. Ich habe damit allerdings noch gar keine Erfahrungen gemacht. Ich weiß nicht, ob dieser Radar eine seltene Gabe ist; oder ob es einfach daran liegt, dass man ihr ihre Orientierung wesentlich leichter ansehen kann, als mir zum Beispiel, und deswegen andere Frauen ohne viel Zutun auf sie anspringen.

Im Endeffekt ist das Erkennen und Kennenlernen… eine einzige große Glückssache, fürchte ich. Egal ob jetzt über so eine Party, über das Internet, oder einfach so. Da müssen viele Faktoren zusammenkommen; keine Variante ist leicht; jede hat ihre Tücken.
Aber vielleicht ist etwas dran, an der Radar Sache.
Vielleicht muss man einfach seine Antennen ein wenig feinfühliger machen; und seiner Intuition vertrauen.

 

Schwäche und Suche nach Bestätigung

Vor einigen Monaten lernte ich ein 17 jähriges Mädchen kennen, das meinte erkannt zu haben, dass es lesbisch ist. Sie hatte über eine Freundin von mir erfahren und stürzte sich direkt auf mich – denn, wer kennt es nicht, sie hatte sonst nur heterosexuelle Freunde.

Das Mädchen war ziemlich offen und wir kamen gut miteinander aus. Dabei fasste sie direkt Vertrauen zu mir ; und schon bald eröffnete sie mir ihre ganze Lebensgeschichte, die sich ungefähr so zusammen fassen lässt: vom Vater vernachlässigt, vom Stiefvater missbraucht, diverse Freunde gehabt aber nichts gefühlt, jetzt bekennend lesbisch und auf der Suche nach einer Freundin. Vor ihrer Familie hatte sie sich schon geoutet, ihre Mutter fand es Ok, doch ihr Bruder fand es schlimm. Ihrem Opa konnte sie es nicht sagen, weil sie immer sein kleines Mädchen war; er würde es nicht verstehen. Aber sie sei sich jetzt ganz sicher, Frauen wären einfach viel schöner.

Nettes Mädchen… aber voller Probleme. Und ich hatte absolut keine Lust mehr auf Probleme. Unweigerlich rutschte ich in eine Art Therapeuten-Rolle und spulte aufbauende Worte ab; distanzierte mich aber innerlich. Folglich kam nichts Näheres zu Stande. Bald hörte ich gar nichts mehr von ihr und war, ehrlicherweise, nicht traurig drum…

Gestern dann habe ich erfahren, dass das besagte Mädchen nun einen Freund hat.

Einerseits muss ich darüber den Kopf schütteln… andererseits klopf ich mir innerlich auf die Schulter; Gut, dass ich da weggeblieben bin.
Allerdings hinterlässt die Geschichte ein leicht besorgtes Gefühl in mir. Ich frage mich – ist das jetzt so richtig gelaufen? Man weiß es nicht. Ich kann nicht sagen, in wie fern sie sich ihre lesbische Neigung eingebildet hat. Vielleicht ist sie bi?Vielleicht ist sie hetero? Vielleicht aber ist sie einfach nur schwach und sucht nach Bestätigung. Denn dies ist ein typisches Syndrom einiger Mädchen einer bestimmen Altersklasse…

So hat eine Freundin von mir, die wirklich die Nettigkeit und Vernunft in Person ist, vor ihrem jetzigen Freund mit zig Typen geschlafen – was ihr heute sehr unangenehm ist. Ein anderes Mädchen, damals 17, erzählte mir cool und mit leichtem Stolz in den Augen, dass sie mit über zehn Typen Sex hatte. Ich weiß nicht – ich finde, mit 17 ist man irgendwie noch ganz schön jung, um mit zehn Männern Sex gehabt zu haben…?
Eine andere, die sich seit ihrem 16. Lebensjahr als lesbisch bezeichnet, erzählte mir, dass sie ungefähr 5 – 8 Jungs einen geblasen hat, sie kann sich nicht so genau erinnern. Ich kam nicht umhin zu fragen… WIESO NUR? Sie konnte es nicht erklären.

Meine Theorie: Schwäche und Suche nach Bestätigung.
Ich habe auch zu Zeiten, in denen mir längst irgendwo klar war, dass es mir nie gefallen würde, mit Jungs angebändelt und Dinge gemacht, die ich hätte bleiben lassen sollen. Aber ich muss auch sagen, dass ich es bei weitem nicht mit vielen tat – schließlich gefiel es mir ja nicht! Dennoch; erst mit 18 fühlte ich mich so lächerlich und erbärmlich dabei, dass ich es für immer aufgab. Es ist mir überhaupt nicht schwer gefallen… denn ich bin lesbisch. Aber diese Erfahrung muss wohl jede für sich selbst machen…

Ich hoffe für das Mädchen, dass es hier nicht auch um Schwäche geht… sondern um Liebe.